Eine Geschichte, die mehr Tiefe verdient hätte – Rezension zu „Ausgelöscht und neugefunden“

(Werbung) Ich gebe zu: Dieses Buch zu bewerten fällt mir nicht ganz leicht. Nicht weil es mich sprachlos gemacht hätte – sondern weil ich selbst ähnliche Erfahrungen kenne und deshalb weiß, wie viel in einer solchen Geschichte stecken kann. Und wie viel hier leider auf der Strecke geblieben ist.

Übrigens: Die Autorin fand sich selbst in Norwegen wieder. Meine eigene Geschichte endete dort. Wenn das kein Zufall ist. 😉

Das Buch

Jenny Sieber
Ausgelöscht und neugefunden – Von toxischer Freundschaft zu selbstbestimmt

Erscheinungsdatum: 02.12.2025
ISBN: 9798276991962
Independently published

Das Buch „Ausgelöscht und neugefunden“ von Jenny Sieber lehnt an einem weißen Teddybären mit rotem Shirt auf einem blau gemusterten Sitzkissen.
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Worum geht’s?

Jenny Sieber erzählt von einer Freundschaft, die sie mehr gekostet hat als sie geben konnte – und davon, wie sie sich Schritt für Schritt daraus befreit und zu sich selbst zurückgefunden hat. Es ist eine persönliche Geschichte über toxische Beziehungsdynamiken, den Verlust des eigenen Ichs und den Weg zurück in die Selbstbestimmung.

Meine Meinung

Fangen wir mit dem an, was funktioniert: Der Schreibstil ist soweit gut lesbar. Man kommt flüssig durch die Seiten, und die Grundidee – eine persönliche Geschichte über toxische Freundschaft zu teilen – ist wertvoll und wichtig. Solche Bücher können Menschen in ähnlichen Situationen enorm helfen.

Allerdings beginnt das Buch mit einem Chat – und dieser Einstieg hat mich ehrlich gesagt erst einmal verwirrt. Ohne Kontext wusste ich nicht so recht, was mir dieser sagen soll. Ein etwas sanfterer Einstieg in die Geschichte hätte hier gutgetan.

Was mich beim Lesen immer wieder beschäftigt hat, ist das Wort „Freundschaft“. Es fällt häufig – aber nach allem, was beschrieben wird, wirkt die beschriebene Beziehung von außen eher wie die zu einem guten Bekannten. Freundschaft ist ein Begriff, der meiner Meinung nach ohnehin schon viel zu inflationär verwendet wird. Auch hier.

Das größere Problem ist aber ein anderes: Ich kenne Jenny Sieber nicht. Und genau das hat mich beim Lesen immer wieder eingeholt. Es fehlten Informationen, die die Geschichte greifbarer gemacht hätten – Kontext, Hintergrund, Tiefe. Stellenweise wirkte es abrupt, unvollständig, nicht wirklich nahbar. Natürlich erzählt man nicht jedem alles – das ist völlig verständlich. Aber wer ein Buch über einen Teil des eigenen Lebens schreibt, sollte es so erzählen, dass auch Fremde hineingezogen werden. Im literarischen Sinne natürlich. 😉

So bleibt die Geschichte leider austauschbar. Ich konnte mich nicht richtig hineinfühlen – nicht weil das Thema mich nicht bewegt, sondern weil mir die Verbindung zur Autorin gefehlt hat. Das Buch hätte genausogut von jeder anderen Person stammen können. Und genau das sollte eine persönliche Geschichte eigentlich verhindern.

Fazit

„Ausgelöscht und neugefunden“ hat ein wichtiges Thema und einen soliden Schreibstil – aber zu wenig Mut zur Tiefe. Wer sich in ähnlichen Situationen wiederfindet, wird vielleicht Trost darin finden. Wer eine packende, persönliche Geschichte erwartet, die einen wirklich mitnimmt, könnte enttäuscht werden. Mehr Nähe, mehr Kontext, mehr von der echten Jenny Sieber – das hätte dieses Buch zu etwas Besonderem machen können.

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