(Werbung) Diese Rezension fällt mir ehrlich gesagt nicht ganz leicht. Das Buch wurde im Vorfeld mit dem Donnerstags-Mordclub verglichen – und mit dieser Erwartungshaltung bin ich reingegangen. Das ist natürlich keine faire Ausgangslage, aber so ist das nun mal, wenn Vergleiche gemacht werden.
Das Buch
Fergus Craig
Betreutes Morden – Ein Fall für Serienkillerin Carol Quinn
Erscheinungsdatum: 11.11.2026
ISBN: 9783746642727
Aufbau Taschenbuch

Worum geht’s?
Carol Quinn hat 35 Jahre im Gefängnis verbracht – wegen siebenfachen Mordes. Jetzt ist sie offiziell im Ruhestand vom Morden und möchte ihren Lebensabend in der luxuriösen Seniorenresidenz Sheldon Oaks genießen. Das Vorhaben scheitert, als direkt vor ihrem Balkon eine Leiche auftaucht. Carol ist sofort die Hauptverdächtige – und ihre Mitbewohner bewaffnen sich vorsichtshalber mit Cricketschlägern und Steinen in Socken. Um ihren Ruf und ihre neu gefundene Freiheit zu retten, beginnt sie selbst zu ermitteln. Zusammen mit einer Ex-Innenministerin, einem ehemaligen Kriminalkommissar und einer Rechtsmedizinerin bildet sie ein unkonventionelles Team der besonderen Art.
Meine Meinung
Optisch macht das Buch schon mal einen guten Eindruck: Das Klappcover und die beigelegte Postkarte sind ein gelungenes Detail, das den Charakteren – die zu Beginn etwas konturlos wirken – ein wenig mehr Leben einhaucht.
Carol selbst hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Sie ist eine eigenwillige, pragmatische Figur, die sich schnell ans Herz schreibt, obwohl – oder gerade weil – sie so gar nicht dem klassischen Krimi-Helden entspricht. Ihr Team entwickelt sich im Verlauf der Geschichte glaubwürdig, und die Dynamik zwischen den vier sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten macht echten Spaß.
Der Humor von Fergus Craig ist deutlich unkonventioneller als bei klassischem Cosy Crime. Bissig, schräg, manchmal fast rabenschwarz. Das funktioniert oft sehr gut – aber gelegentlich übertreibt der Autor es mit der Überzeichnung einzelner Figuren, sodass manche davon eher anstrengend als witzig wirken. Auch einzelne düstere Details in Carols Tagebuch wirkten für mich fast schon fehl am Platz im Kontext des Genres.
Trotz überraschender Wendungen und einem großen Finale, das mich ein wenig an Death in Paradise erinnerte, blieb am Ende ein gemischtes Gefühl. Das große Ganze hat mir gefehlt. Es ist ein unterhaltsamer Krimi mit einer originellen Grundidee – aber der erhoffte Wow-Effekt ist ausgeblieben.
Fazit
Betreutes Morden ist solide Unterhaltung mit britischem Flair, einer charmanten Protagonistin und einer frischen Prämisse. Wer unkonventionelle Rentnerfiguren und schwarzen Humor mag, wird hier gut unterhalten. Wer den Donnerstags-Mordclub erwartet, sollte die Erwartungen etwas herunterschrauben.