(Werbung) Mein Mann kam eines Abends nach Hause, blieb in der Tür stehen und beobachtete mich eine Weile, bevor er fragte: „Was genau machst du da eigentlich?“ Meine völlig ernste Antwort: „Ich lese ein Buch.“ – „Okaaaay …“
Was ihn irritiert haben dürfte: Ich habe nicht einfach nur gelesen. Ich habe mitgemacht. Und das ist bei „Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer – Das gestohlene Drachenei“ buchstäblich so vorgesehen.
Das Buch
Nicola Anker / Marek Bláha
Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer, Band 1 – Das gestohlene Drachenei
Loewe
ISBN: 9783743222236

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Worum geht’s?
Ein Drache braucht deine Hilfe – und zwar sofort. Das goldene Drachenei wurde gestohlen, und du als Lesende wirst direkt in das Abenteuer hineingezogen. Nicht als stille Beobachterin, sondern als aktiver Teil der Geschichte. Das Buch fordert auf, mitzumachen: Aufgaben lösen, Bewegungen ausführen, Entscheidungen treffen. Die Illustrationen von Marek Bláha sind bunt, witzig und voller Details – und die Figuren Roxy und Schorko begleiten einen durch das Abenteuer.
Meine Meinung
Die Grundidee hat mich von der ersten Seite an begeistert. Ein Kinderbuch, das Kinder wirklich aktiviert – nicht nur mit den Augen, sondern mit dem ganzen Körper – das ist eine tolle Idee. Die Illustrationen machen Spaß, der Text ist humorvoll, und die Aufforderungen zum Mitmachen sind wirklich gelungen. Ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten gefühlt – auch wenn ich offiziell kein Kind mehr bin. 😄
Einen Drachen das Fliegen beizubringen funktioniert übrigens auch ohne Buch. Das habe ich einmal erfolgreich an einer Taube bewiesen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Was mich weniger überzeugt hat: Die eingebauten Lieder. Die fand ich ehrlich gesagt überflüssig und ziemlich anstrengend – das hätte es für mich nicht gebraucht. Auch der Name „Schorko“ hat mich kurz gestutzt. Nicht unbedingt das kreativste, was die Fantasiewelt zu bieten hat.
Ein Punkt, der mich wirklich beschäftigt hat, betrifft die Zielgruppe: Das Buch ist interaktiv – Kinder sollen mitschreiben, mitmachen, Seiten anfassen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass manche Kinder Angst bekommen könnten, wenn sie versehentlich eine Seite beschädigen oder einen Einband knicken. Das ist ein kleiner Widerspruch, der mir aufgefallen ist.
Praktisch gestört hat mich außerdem, dass kaum Seitenzahlen vorhanden sind – das macht das Orientieren unnötig schwer. Und das Symbol für die lesende Hand zeigt eine linke Hand. Für Rechtshänder, die das Buch normal halten, ist das schlicht ungünstig. Kleine Dinge – aber sie fallen auf.
Was das Tempo angeht: Es ist hoch. Fast zu hoch. Man kommt kaum dazu, eine echte Bindung zu den Figuren aufzubauen, bevor das Ende schon da ist. Und das Ende selbst wirkt dann leider etwas abrupt – in sich schlüssig, ja, aber auch überraschend oberflächlich für eine Geschichte, die so viel Energie investiert hat, einen hineinzuziehen.
Fazit
„Das gestohlene Drachenei“ ist ein kreatives, witziges Kinderbuch mit einer tollen Grundidee, das Kinder wirklich zum Mitmachen animiert. Die Illustrationen machen Freude, der Humor sitzt, und das Konzept ist frisch. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, hat eine Menge Spaß – auch als Erwachsener, wie ich bezeugen kann.
Für eine volle Punktzahl fehlt mir aber ein ruhigeres Erzähltempo, ein Ende mit mehr Tiefe und ein paar weniger Kleinigkeiten, die aus dem Leseerlebnis herausreißen. Ich bin gespannt, ob Band 2 hier nachbessert.