Blutlinien – Das brennende Grab: Wenn Provokation entgleist

(Werbung) Die ersten rund 30 Seiten waren spannend. Wirklich.
Genau deshalb habe ich weitergelesen. Und genau deshalb ist meine Enttäuschung im Verlauf dieses Romans umso größer geworden.

Das Buch

Johannes Selåker
Blutlinien – Das brennende Grab

Erscheinungsdatum: 21.01.2026
ISBN: 9783734114182
Blanvalet

Cover des Thrillers „Blutlinien – Das brennende Grab“ von Johannes Selåker: Eine ruhige ländliche Szenerie mit Häusern am Wasser spiegelt sich in einem See, darüber und darunter dominieren große blaue Typografie-Elemente mit dem Titel „Blutlinien“, düstere und beklemmende Stimmung.
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Worum geht’s im Buch?

Der Roman bewegt sich in einer düsteren Welt aus Verbrechen, Machtstrukturen und Abgründen. Ermittlungen, Gewalt und persönliche Verstrickungen bilden das Grundgerüst der Geschichte.
Das hätte funktionieren können – denn der Einstieg zeigt durchaus Potenzial.

Meine Meinung

Nach dem soliden Anfang kippt die Geschichte jedoch schnell. Statt Spannung dominieren zunehmend Drogenexzesse, Sexismus und explizite Szenen, die für die Handlung keinerlei erkennbare Bedeutung haben. Und nein: Ich bin bei Büchern und Filmen nicht empfindlich. Aber hier war es schlicht zu viel – und vor allem unnötig.

Teilweise wirkte es auf mich, als würden private Fantasien des Autors ungefiltert in den Text einfließen. Diese Passagen vertiefen weder Figuren noch Handlung, sie provozieren lediglich. Das empfand ich als unangenehm – und stellenweise als widerlich.

Besonders irritierend fand ich den Kontext: Der Roman scheint stark vom Namen des Autors zu profitieren, einem bekannten Journalisten. Ironischerweise hat genau dieser Autor einen der wichtigsten -Artikel geschrieben. Diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Haltung und literarischer Darstellung empfand ich als deutliche Doppelmoral.

Auch der Schreibstil konnte mich nicht überzeugen. Sehr viel Umgangssprache, sehr salopp, fast boulevardesk. Ja, Menschen reden so – aber in einem Roman erwarte ich mehr als eine bloße Nacherzählung von Geschehnissen. Mir fehlten Tiefe, Sprache und literarischer Anspruch.

Fazit

Ein spannender Einstieg reicht nicht aus, wenn der Rest des Buches entgleist.
Für mich ist dieser Roman ein Beispiel dafür, wie Provokation ohne erzählerischen Mehrwert wirkt – und wie viel Potenzial dadurch verschenkt werden kann.

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