(Werbung) Die Hölle auf den Kopf stellen und beweisen, was in einem steckt: Mit „Lucy Hell“ von Britta Sabbag, erschienen im cbj Verlag, verspricht der Klappentext ein freches, humorvolles Abenteuer für Kinder ab acht Jahren. Doch trotz gelungener Farbzeichnungen geht das Konzept inhaltlich leider nicht auf – zwischen einer unpassenden Sprache, flachen Figuren und einer reichlich bizarren Schulrealität bleibt viel Ratlosigkeit zurück.
Das Buch
- Autorin/Autor: Britta Sabbag
- Titel: Lucy Hell
- Erscheinungsdatum: 26.08.2026
- ISBN: 9783570181515
- Verlag: cbj Verlag

Worum geht es in „Lucy Hell“?
Lucy ist die Tochter des Teufels, doch den Höllenthron darf sie nicht übernehmen – schlichtweg, weil sie ein Mädchen ist. Um ihrem Vater und dem Höllenvorstand das Gegenteil zu beweisen, flieht sie auf die Erde. Ihr Plan: Den Chaosplaneten mit echtem Teufelsunfug aufmischen und zeigen, wie herrlich böse sie sein kann. Doch auf der Erde angekommen, gestaltet sich das Vorhaben deutlich komplizierter als gedacht.
Tolle große Illustrationen, aber unausgegorene Skizzen
Optisch weiß das Buch auf den ersten Blick zu gefallen: Vor allem die größeren zwei- bis dreifarbigen Zeichnungen sind cool gestaltet, stimmig platziert und passen gut zum teuflischen Grundthema. Dem gegenüber stehen jedoch zahlreiche kleine, fast schon gekrakelte Zeichnungen, die das Schriftbild eher unruhig wirken lassen und beim Lesen zunehmend anstrengend wirken.
An der Zielgruppe vorbei: Zu viele Fremdwörter und Politikanspielungen
Die Altersempfehlung liegt bei acht Jahren – doch genau hier liegt die größte Schwäche des Buches. Der Text ist gespickt mit Begriffen und Konzepten, die in diesem Alter schlichtweg fehl am Platz wirken: Ob Oligarchen, Nirvana, Feminist oder mythologische Wesen wie der Basilisk – kaum ein achtjähriges Kind wird diese Ausdrücke ohne ständiges Nachfragen oder Nachschlagen verstehen. Wenn ein Buch jedoch ständig unterbrochen werden muss, weil die Hälfte des Vokabulars unklar ist, leidet das Lesevergnügen enorm.
Noch unpassender sind die permanenten Witze und Anspielungen rund um Finanzämter, Steuerhinterziehung und Politik. Solche Meta-Gags mögen für erwachsene Vorlesende gedacht sein, gehen aber an den eigentlichen jungen Lesenden völlig vorbei.
Widersprüchliche Handlung und fehlende Tiefe
Auch die Figuren und der Schreibstil bleiben durchweg oberflächlich. Es gelingt kaum, emotionale Nähe zu Lucy oder ihren Begleitenden aufzubauen. Zudem widerspricht sich die Prämisse ständig selbst: Lucy will eigentlich beweisen, wie herrlich böse sie ist, tut am Ende aber praktisch nur Gutes.
Vollends absurd wird es beim Setting: Lucy spaziert mir nichts, dir nichts in eine irdische Schule hinein, setzt sich in den Unterricht und macht einfach mit – genau wie später ihr Freund aus der Hölle. Niemand hinterfragt das Erscheinen der neuen Mitschüler, niemand will eine Anmeldung oder Dokumente sehen. Diese Leichtfertigkeit nimmt der Geschichte jegliche Glaubwürdigkeit, selbst für ein Fantasy-Kinderbuch.
Das Ende kommt schließlich recht abrupt: Zwar ist der Handlungsstrang in sich abgeschlossen, doch nach der letzten Seite fragt man sich unweigerlich, was die Geschichte eigentlich genau vermitteln wollte.
Mein Fazit: Für wen lohnt sich das Buch?
„Lucy Hell“ bietet eine pfiffige Grundidee und stellenweise gelungene Illustrationen, verfehlt seine Zielgruppe ab acht Jahren jedoch deutlich. Zwischen gesellschaftspolitischen Anspielungen, anspruchsvollem Vokabular und einer flachen Figurenzeichnung bleibt die Geschichte merkwürdig distanziert. Für mich war dieser Ausflug in die Hölle leider eine Enttäuschung – auf den angekündigten Folgeband werde ich daher definitiv verzichten.