Manchmal fangen die schönsten Abenteuer mit einem einfachen Möbelstück an. Wer meine Reise auf Gedankenteiler schon eine Weile verfolgt, erinnert sich bestimmt noch an den Buntivschrank.

Er war mein erster Schritt, um meinen handgemachten Unikaten, Büchern und kreativen Upcycling-Ideen ein kleines Zuhause im Freien zu schenken. Doch wie das mit der Kreativität nun mal so ist: Sie lässt sich nur schwer in enge Grenzen pressen. Die Ideen wurden mehr, die Sortimente vielfältiger, und irgendwann platzt ein Schrank einfach aus allen Nähten. Intern haben wir es die ganze Zeit „Buntivgarage“ genannt, aber da es nun mal keine Garage ist und Nebengebäude einfach nicht schön klingt, brauchten wir einen echten Namen. Und was passt im Stadtteil Penningbüttel / Ortsteil Wiste besser als Buntivhuus? Schön norddeutsch, passend zu unserem Eigennamen und genau der richtige Begriff für unser kleines Lädchen.
Aus einem Schrank sollte also ein richtiger Ausstellungsraum in unserem Nebengebäude werden. Was nach einem einfachen DIY-Projekt klingt, entpuppte sich als eine monatelange Achterbahnfahrt voller Geduldsproben, nervenaufreibender Hindernisse, Muskelkater und ja – auch der einen oder anderen Träne, wenn mir einfach alles zu viel wurde. Aber heute kann ich stolz sagen: Es ist geschafft! Aus dem alten Nebengebäude ist unser Buntivhuus geworden.
Ich nehme dich heute mit auf die ganze Reise von der ersten Idee bis zur Eröffnung – mit allen Hürden, die uns im Weg standen. Nimm dir einen Kaffee (oder einen Kakao) und begleite uns!
Die Vermieter-Taktik: Überzeugungsarbeit für unser Buntivhuus
Jedem großen Projekt geht ein erster Schritt voraus – in meinem Fall war das die Zusage meines Vermieters (der praktischerweise auch mein Schwiegervater ist). Er ist generell jemand, der erst einmal gar keine Veränderungen mag, sie dann aber super findet, wenn sie erst mal da sind. Also war die erste Reaktion natürlich erst mal ein Nein.
Da direktes Überreden nichts brachte, zog ich Plan B: Mein Schwager (sein Sohn) musste als Verstärkung her. Auf ihn hört der Schwiegervater am ehesten, und so ließen wir das Thema über Monate hinweg immer mal wieder beiläufig fallen. Der Durchbruch kam schließlich ganz unspektakulär beim Nachmittagskaffee auf der Terrasse – da war ich selbst gar nicht dabei! Meine Schwiegermutter merkte beiläufig an, dass man in dem Gebäude doch was machen könnte. Dann könnte der alte Buntivschrank da endlich weg, weil es da eh reinregnet, und vor allem: Der Schwiegervater könnte von der Terrasse aus endlich wieder vernünftig gucken, weil der Schrank ihm nicht mehr im Sichtfeld steht!
Das schlug ein: Er sagte Ja! Aber das wäre ja alles viel zu einfach gewesen… Ein paar Wochen später überlegte er es sich nämlich wieder anders und sagte doch wieder Nein. Wir sind alle fast durchgedreht, weil wir im Kopf schon die kompletten Pläne fertig hatten, was wo hin soll! Es folgte ein zähes Hin und Her, das enorm viele Nerven gekostet hat – bis er dann doch wieder Ja sagte.
SB-Lädchen in der Vorbereitung: „Ich glaub es erst, wenn es da ist!“
An ein Einrichten oder Abmessen war da natürlich erst mal gar nicht zu denken. Die privaten Sachen – unter anderem unsere Fahrräder – standen ja noch in dem Gebäude, und da soll natürlich niemand ran. Wir brauchten also erst einmal eine solide Trennwand. Mein Schwager hat eine Maurerfirma und bekam sowieso ganz offiziell den Auftrag, eine neue Seitentür in das Gebäude einzubauen. Bei der Gelegenheit hieß es dann: „Könnt ihr auch gleich die Wand reinziehen?“
Ich habe zwischendurch immer wieder meine Schwiegermutter gefragt: „Hat er es sich wieder anders überlegt?“ Aber sie beruhigte mich: „Nee, die Tür und das Holz sind schon bestellt.“ Ich blieb skeptisch und dachte nur: Ich glaub es erst, wenn es da ist und steht!
In der Zeit der ungewissen Warterei habe ich zumindest tatenlos zugesehen: Ich habe mir schon mal das Regal vorgenommen, überlegt, wie ich es einrichte, und Produkte dafür vorbereitet. Doch die nächste Hürde ließ nicht lange auf sich warten: Die Handwerker hatten erst mal keine Zeit, dann stand Urlaub an. Es hieß, vor Juni wird das nichts. Und als sei das nicht genug, war die bestellte Tür schlichtweg nicht lieferbar! Wir haben es scheinbar einfach nicht so mit Türen – das war damals bei unserer Haustür schon genau dasselbe Drama.
Baumaterial für die Trennwand: Der LKW-Anlieferungstag
Am 16. Juni war es dann endlich soweit. Ich hörte plötzlich draußen einen ohrenbetäubenden Lärm, den ich erst gar nicht einordnen konnte. Der Blick aus dem Fenster verriet alles: Ein riesiger LKW lud mit einem Kran eine Palette direkt vor die Haustür meiner Schwiegereltern. Darauf zu lesen in großer blauer Schrift: Böhm. Bretter, Tür und Material waren endlich da! Juhu!

Abends hat Ron sich, nach seiner regulären Schicht im Lager, den Hubwagen geschnappt und die schwere Palette ins Gebäude geschoben, damit nichts der Witterung ausgesetzt ist.

Schon im April hatte Ron übrigens in weiser Voraussicht das komplette Gebäude entrümpelt und frei geräumt. Sein Kommentar damals: „Ich weiß ja nicht, wann die kommen. Sonst heißt es wieder plötzlich ‚Kannst du mal eben?‘ – dann mache ich es lieber gleich fertig.“ Ich hatte zu der Zeit noch meine Sprunggelenkfraktur und saß völlig hibbelig am Fenster, weil ich nicht mithelfen konnte (Ich liebe es nämlich eigentlich, bei anderen aufzuräumen, da gibt es immer so viel zu entdecken). Unsere Katze Minou saß neben mir auf der Fensterbank und hat als Bauaufsicht mit aufgepasst.

Der Umbau-Tag: Handwerk & Dekoration für das Buntivhuus
Am 6. Juli ging es dann endlich richtig los. Mein Schwager und sein Geselle rückten mit den grauen Firmenwagen an. Zuerst wurde die hölzerne Trennwand gesetzt, und danach kam die neue graue Seitentür in die Klinkerwand.

Während die Männer unten schufteten, war ich oben auf dem Dachboden zugange: In voller Montur habe ich fleißig Holzpfeile geschliffen, die heute im Buntivhuus auf ihre Mitnahme warten. Parallel-Handwerk auf dem Hof!

Kaum war die Wand drin, kam auch schon der nächste Klassiker vom Vermieter. Ein paar Tage später meinte er trocken: „Ja, habe ich das wohl alles ganz umsonst gemacht? Da passiert ja gar nichts!“ Mir wurde das nur erzählt, aber ich war kurz davor, an die Decke zu gehen! Man geht direkt in den Verteidigungsmodus: Es musste doch erst mal das ganze Material weggeräumt werden! Zum Beispiel die falsch gelieferte Tür. Mein Schwager hatte ursprünglich eine Feuerschutztür eingebaut, die für außen gedacht war. Die fiel aber immer von alleine zu und ging so schwer auf, was mein Schwiegervater doof fand. Also wurde sie gegen eine Innenraumtür getauscht – die zwar eigentlich noch gestrichen werden müsste, worauf aber verständlicherweise gerade keiner Lust hat.

Upcycling-Regal aus OSB-Resten: Die Hitzeschlacht im Nebengebäude
Diese „falsche“ Tür und das einiges an Überbleibseln standen also immer noch im Raum herum. Ich instruierte meine Schwiegermutter, die wiederum beim Schwager Bescheid gab, und an einem Samstag kam er endlich zum Abholen. An diesem Samstag hatten wir uns fest vorgenommen: Wir machen die Regale fertig und ziehen das durch!

In dem Gebäude gab es vorher ein altes Regal, das sich durch den ganzen Raum zog und wo früher Holz und Gedöns gelagert wurden. Als das abgebaut war, blieben an den Wänden alte Metallhalterungen stehen. Meine Schwiegermutter meinte erst: „Lass die mal dran, nicht abflexen.“ Ich sah die Dinger an und dachte sofort: Ich habe da eine Idee! Aus den verbliebenen OSB-Holzresten der neuen Trennwand könnten wir doch genau daraus die Regalböden bauen! Ich fragte Ron, ob das geht, und wir machten uns direkt an die Arbeit.

Das Wetter meinte es allerdings fast schon zu gut mit uns: Es hat zwar nicht geregnet, aber es war brütend heiß. Meine Schwiegermutter versorgte uns zwischendurch lieb mit belegten Brötchen und Kakao, damit wir nicht schlappmachten. Zu allem Überfluss hatte ich an dem Tag auch noch fiese Migräne. Ich wollte mir von Ron eigentlich zeigen lassen, wie man mit der Kreissäge umgeht, aber in der Gluthitze mit Kopfschmerzen war das einfach nicht drin.

Während Ron die Platten sägte, habe ich später im Schatten alle Kanten von Hand abgefeilt. Echte Teamwork!


Licht & Elektrik im Altbau: Der Lampen-Krimi vor der Eröffnung
Fertig waren wir damit aber immer noch nicht. Licht gab es in dem Raum nämlich keins – durch die neue Wand drang von der anderen Seite kein Licht mehr durch. Ich hatte schon lange eine Deckenlampe mit Bewegungsmelder bestellt. Und wie könnte es anders sein? Es gab mal wieder massive Lieferverzögerungen! Erst schickte der Händler es ewig nicht los, und dann blieb das Paket tagelang als Sperrgut bei DHL hängen. Im Sendungsstatus stand immer nur ohne Begründung: „Ihr Paket verspätet sich.“ Ich habe innerlich gekocht – vor allem, weil DHL erst vor einigen Monaten ein Paket von mir mit einer Kundenbestellung komplett verschwinden lassen hatte …
Am Samstag, den 1. August, konnte die Lampe endlich angebracht werden. Aber „mal eben schnell“ war das natürlich nicht gemacht. Es musste ein Loch durch die Wand gebohrt werden (das hatten die Maurer leider vergessen) und ein ganz neues Kabel verlegt werden.

Da es sich um einen Altbau handelt, kann man den Kabelfarben aus Sicherheitsgründen eh nicht trauen. Niemand wusste so genau, welches Kabel wofür war, also hat Ron kurzerhand einfach alle Sicherungen im Haus rausgemacht – sicher ist sicher!

Tatkräftige Unterstützung hatten wir dabei von Familienhündin Hera, die als Bauaufsicht alles genauestens im Blick behielt und aufpasste, dass alles seine Ordnung hatte.

Während Ron drinnen mit den Kabeln kämpfte und ich nur ab und zu was festhalten oder hochreichen konnte, habe ich draußen die Zeit genutzt: Ich habe mit bunter Straßenkreide ein großes Hüpfspiel auf das Pflaster vor dem Gebäude gezeichnet. Die Welt muss bunter werden! Es ist eine kleine Einladung direkt von Gedankenteiler an das innere Kind (und echte Kinder), kurz innezuhalten und ein bisschen Freude mitzunehmen.

Bürokratie-Endgegner & Vorbereitungen: Der Endspurt fürs Buntivhuus
Vor dem Einrichten wartete aber noch der bürokratische Endgegner: Die Produktsicherheitsverordnung (GPSR)! Danke an die Regierung für diesen Wahnsinn… Bei Elektrogeräten macht das ja Sinn, aber bei handgemachten Unikaten ist das teilweise schlichtweg überflüssig. Hilft aber nichts: Bei 28 Grad im brütend heißen Dachgeschoss floss mir der Schweiß, während ich Zettel um Zettel um Zettel schrieb und laminierte, damit wirklich jede gesetzliche Angabe stimmt.
Während mir oben der Kopf schwirrte, leistete Ron unten Heldenarbeit: Er säuberte den Raum und holte das Hauptregal runter. Das passte am Stück natürlich nicht durch die Wege und musste erst mal zerlegt werden.

Da eine Bekannte von uns eine extreme Spinnenphobie hat (und Spinnen auf den Produkten eh nicht schön sind), bat ich Ron, gründlich sauber zu machen. Und Ron hat das auf seine ganz eigene, liebenswerte Art gemacht: Er hat jede einzelne Spinne behutsam mit der Hand gefangen und über die Straße getragen! Genau dafür liebe ich ihn so sehr! ❤
Am Sonntagabend gegen 18:00 Uhr waren wir völlig KO. Ron ging duschen, ich fütterte die Katzen. Um 19:00 Uhr lag er erschöpft auf dem Sofa, Beine hoch, und meinte trocken: „So, jetzt kann das Wochenende beginnen!“ – wohlwissend, dass am nächsten Morgen um 5:00 Uhr der Wecker wieder klingelt. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen, weil er gar keine Zeit für sich hatte. Aber er guckte mir nur tief in die Augen und sagte: „Schatzi, du hast dich entschlossen, dich selbstständig zu machen, und ich stehe hinter dir. Ich trage das mit und unterstütze dich, wo ich kann. Wenn ich dann am Wochenende mal keine Zeit habe, dann ist das so.“ Als ich meinte, dass er doch auch Mal Pause braucht und so viel hilft, winkte er ab: „Das sehe ich anders. Du hast den kompletten Haushalt, die Katzen und kümmerst dich nebenbei auch noch um meine Eltern und ihren Papierkram.“ Was für ein Mann!
„Schatzi, du hast dich entschlossen, dich selbstständig zu machen, und ich stehe hinter dir. Ich trage das mit und unterstütze dich, wo ich kann. Wenn ich dann am Wochenende mal keine Zeit habe, dann ist das so.“
[Ron Böhm zu Roswitha Böhm]
Trotzdem ist es in meinem Kopf immer noch schwer abzuschalten. Seit meinem Geburtstag am 18. Juni habe ich keinen einzigen Tag mehr ohne Arbeit verbracht – selbst an meinem Geburtstag habe ich Videos für spätere Werbeaufnahmen gedreht. Feierabend gibt es in der Selbstständigkeit einfach nicht …
Einräumen & die ersten Gäste: Das Buntivhuus erwacht zum Leben
Am Montag ging das Zettel-Schreiben für die Schilder (Erklärungen fürs Bücher-Tauschregal, Öffnungszeiten, Wer ich bin, Preislisten) direkt weiter. Aber dann kam endlich der Moment: Ich habe Kiste um Kiste nach unten geschleppt und angefangen einzuräumen. Das hat sich trotz der Hitze einfach nur großartig angefühlt!
Als mein Schwager kurz mit dem Firmenwagen vorbeischaute, grinste ich ihn an: „Wo du schon mal da bist, kannst du eben die Kasse anmontieren?“ Er seufzte kurz, holte sein Werkzeug und schraubte die Kasse fest. Ron war heilfroh, dass er das nicht auch noch machen musste!
Kaum standen die ersten Sachen, kamen auch schon meine Schwiegermutter, mein Schwiegervater und Verwandte neugierig herein. Mein Schwiegervater begutachtete mein Buch Die Stelle Vermächtnis und meinte stolz: „Da kenne ich auch einen Teil von. Hat meine Frau mir vorgelesen, man ist das gut!“ Und dann zeigte ihm meine Schwiegermutter die gestalteten Holzbrettchen und Karten: „Hast du das auch alles gemacht? Meine Güte!“ Das hat mich natürlich riesig gefreut.

Nur als der Schwiegervater dann auf die alten Wände schaute – wo vorher alle abgewunken hatten, als Ron sie streichen wollte – und meinte: „Ja, das sieht aber nicht gut aus, hier muss noch was gemacht werden!“, musste ich innerlich lachen. Meine klare Antwort: „Dieses Jahr nicht mehr!“
Dein Besuch im Buntivhuus Osterholz-Scharmbeck: Komm vorbei!
Auch wenn Ron am Montagabend nach Feierabend gleich versuchte, einer Passantin mit Hund davon zu überzeugen zumindest einen 1-Euro-Würfel aufzuschwatzen („Unterstützt lokales Kleingewerbe!“), bin ich einfach nur glücklich und stolz, dass diese riesige Baustelle endlich abgeschlossen ist! In zwei Wochen wird zwar schon wieder umgestaltet, weil das neue Herz- und Herbstsortiment einzieht, aber der Grundstein steht.
Damit die Anwohner und meine Schwiegereltern abends ihre Ruhe haben und niemand mehr um 20:00 Uhr an der Haustür klingelt, haben wir jetzt feste Öffnungszeiten eingeführt. Meine Schwiegermutter übernimmt dabei ganz lieb das Auf- und Abschließen auf ihren täglichen Hunderunden.
Du bist herzlich eingeladen, ganz ohne Kaufdruck vorbeizukommen, durch die Unikate zu stöbern, ein Buch im Tauschregal zu wechseln oder dich in unserem Gästebuch zu verewigen!

Alle Infos auf einen Blick:
📍 Adresse: Buntivhuus / Gedankenteiler, Im Grünnen 15, 27711 Osterholz-Scharmbeck (Penningbüttel / Wiste)
⏰ Feste Öffnungszeiten: 07:30 Uhr bis 19:30 Uhr / tgl. (Montag bis Sonntag, auch an Feiertagen)
💳 Bezahlung: ganz unkompliziert: vor Ort passend in bar (Kasse) oder kontaktlos via PayPal QR-Code.
📚 Highlights vor Ort:
- Unser großes Bücher-Tauschregal (Nimm ein Buch, gib ein Buch!)
- Unser Gästebuch: Hinterlasse uns zu deinem Besuch liebend gerne einen kleinen Gruß!
- Verpackungs-Station zum Mitnehmen deiner Schätze.
- Straßenhüpfspiel vor der Tür für ein bisschen Bunt im Alltag.
Wir freuen uns riesig auf deinen Besuch in unserem Buntivhuus!
Schreib mir auch gerne deine Gedanken in die Kommentare oder hinterlass uns einen Gruß im Gästebuch vor Ort.
