Erinnerst du dich an meinen ersten Beitrag zur ungefragten Benachrichtigung von CompanySpotter? Ich hatte mich damals bewusst dagegen entschieden, einfach still auf den Abmelde-Link zu klicken. Stattdessen habe ich eine offizielle Datenschutzbeschwerde beim Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen eingereicht.
Jetzt liegt die offizielle Antwort der Behörde auf meinem Schreibtisch. Bevor ich meine Domain dort endgültig abgemeldet habe, habe ich mir den über mich angelegten Datensatz ganz genau angeschaut und Beweise gesichert. Was ich dort gesehen habe, hat mich sprachlos gemacht – und zeigt schwarz auf weiß, warum diese Masche für uns Solo-Selbstständige, Kreative und kleine Unternehmen brandgefährlich ist.
Die Ernüchterung: Vom Staat allein gelassen
Die Rückmeldung des Landesbeauftragten für den Datenschutz fiel leider so aus, wie viele Selbstständige es aus dem Behördenalltag kennen. Statt sofortiger Maßnahmen verweist man erst einmal auf die bequeme Selbsthilfe:
„Eine Löschung des auf der o.g. Webseite hinterlegten Datensatzes kann offenbar über eine Auswahl der Schaltfläche ‚Klicken Sie hier, um Ihre Domain abzumelden!‘ […] vorgenommen werden. […] Im vorliegenden Fall erscheint es zumindest nicht ausgeschlossen, dass die erhobenen Daten auf der Grundlage eines berechtigten Interesses gemäß Art. 6 Abs. 1 lit. f) DS-GVO verarbeitet werden können.“
Dieses Fazit macht mich wirklich wütend. Der Staat zwingt uns Kleinunternehmerinnen und Solo-Selbstständige mit der DSGVO und der Impressumspflicht zur absoluten Transparenz. Wenn wir unsere Adresse nicht öffentlich ins Netz stellen, drohen uns empfindliche Strafgelder bis zu 50.000 Euro, Abmahnungen oder im schlimmsten Fall sogar das Aus für unser Business. Wir müssen uns im Netz quasi nackig machen und alle Pflichten peinlich genau erfüllen.
Doch wenn ein ausländischer Daten-Crawler genau diese Pflichtangaben per Bot abgreift, zu Geld macht und wir Hilfe brauchen, werden wir komplett allein gelassen. Dann wird plötzlich von einem „berechtigten Interesse“ der Datenkraken gesprochen. Im Gegensatz zu großen Konzernen können wir Solo-Selbstständigen eben nicht mit dem Verlust tausender Arbeitsplätze drohen, wenn wir rechtlichen Schutz einfordern. Wir sind die Kleinen, die das System ausbaden müssen.
Das Dilemma mit der Mietadresse
Jetzt werden sicher einige sagen: „Dann hol dir doch einen Impressumsservice oder kauf dir eine Mietadresse, um deine private Anschrift zu schützen!“
Klar, das könnte ich tun. Das würde mich mindestens 120 Euro im Jahr kosten. Aber mal ganz ehrlich: Abgesehen davon, dass das für ein Kleinunternehmen viel Geld ist – WARUM soll ich aus eigener Tasche dafür bezahlen, nur weil ich meiner gesetzlichen Pflicht nachkomme? Ich erfülle lediglich die Vorgaben des Staates. Dass der Staat dann wegschaut, wenn Dritte diese Angaben für Kaltakquise-Datenbanken missbrauchen, darf nicht mein finanzielles Problem werden.
Blick hinter die Kulissen: Was CompanySpotter wirklich über dich speichert
Bevor ich den Abmelde-Knopf gedrückt habe, habe ich die Dateneinsicht genutzt und vollständige Screenshots gesichert. Von wegen „harmloses Branchenverzeichnis zur besseren Sichtbarkeit“:
- Komplettes Technologie-Profiling: Gespeichert wurden nicht nur allgemeine Infos, sondern die gesamte technische Anatomie meiner Website: Mein Theme (GeneratePress 3.6.1), mein Statistik-Tool (Matomo Analytics), mein Webserver (Nginx), mein SEO-Plugin (Yoast SEO), Datenbanken (MySQL), Programmiersprachen (PHP) und sogar genutzte Skripte wie Emojis oder WhatsApp Business. Das dient einzig dazu, Webseitenbetreiber für Software-Vertriebler filterbar zu machen.

- Absurde Daten-Bastelei: Neben meiner korrekten Mailadresse tauchte im Datensatz plötzlich ein fehlerhaft zusammengebasteltes Konstrukt auf:
gedankenteiler.de@gedankenteiler.de. Das zeigt, wie unkontrolliert und fehlerhaft diese Bots arbeiten – ein direkter Verstoß gegen den Grundsatz der Datenrichtigkeit nach Art. 5 DSGVO.

- Psychologischer Druck im Formular: Beim Austragen wird einem eingeredet, wie wichtig „Sichtbarkeit“ doch sei. Abgerundet wird das Ganze mit einem fast schon zynischen Schlusssatz: „…und hoffentlich sehen wir Sie bei CompanySpotter!“

💡 Erster Schritt zur Gegenwehr: Hast du auch schon Post von solchen Datenbrokern bekommen oder nutzt du aus lauter Verzweiflung schon eine teure Mietadresse? Hinterlasse mir jetzt unten einen Kommentar mit deinen Erfahrungen – lass uns gemeinsam sammeln, wie wir mit diesem Irrsinn umgehen!
Schritt für Schritt: So wehrst du dich richtig
Wenn du die Benachrichtigung von CompanySpotter in deinem Postfach findest, klicke nicht einfach blind auf Abmelden, sondern gehe strategisch vor:
- Beweise sichern: Öffne den Abmelde-Link und scrolle durch sämtliche über dich gespeicherten Reiter. Erstelle vollständige Screenshots mit sichtbarem Datum und Uhrzeit auf deinem Bildschirm.
- Abmeldung durchführen: Wähle im Formular die Option „alle Daten“ aus, löse das reCAPTCHA und bestätige mit „Unsubscribe“. Mache auch von der grünen Bestätigungsseite direkt einen Screenshot für deine Akten.
- Behörde füttern: Reiche deine Beschwerde bei der zuständigen Landesdatenschutzbehörde ein (oder antworte auf ein laufendes Verfahren). Hänge deine Beweis-Screenshots an und weise explizit darauf hin, dass es sich um kommerzielles Technologie-Profiling und fehlerhafte Datensätze handelt – nicht um ein legitimes Firmenverzeichnis.

Mein nächster Schritt: Ich frage den Staat!
Weil ich diese Schieflage nicht einfach hinnehmen will, bin ich noch einen Schritt weiter gegangen. Es reicht nicht, sich nur bei der Datenschutzbehörde über den Einzelfall zu beschweren. Das Problem ist systemisch.
Deshalb habe ich heute über die Plattform FragDenStaat eine offizielle Anfrage an das Ministerium gestellt. Ich will schwarz auf weiß wissen, was die Bundesregierung eigentlich plant, um uns Solo-Selbstständige vor dem massenhaften, kommerziellen Scraping unserer Pflichtangaben zu schützen – und ob rechtssichere Alternativen zur privaten Wohnanschrift im Netz geplant sind.
👉 Hier kannst du meine offizielle Anfrage auf FragDenStaat einsehen und den Status mitverfolgen! (Sobald das Ministerium antwortet, wird die Antwort dort öffentlich publiziert.)

Warum wir nicht stumm bleiben dürfen
Als Einzelunternehmerin fühlt man sich in solchen Momenten machtlos. Doch je mehr Betroffene nicht nur still auf „Abmelden“ klicken, sondern ihre Fälle formal bei den Aufsichtsbehörden aktenkundig machen, desto höher wird der Druck in den Akten. Immerhin: Mein Vorgang wurde nun offiziell registriert.
Lass dir deine gesetzliche Transparenzpflicht nicht als Freifahrtschein für Datenkraken verkaufen!
📢 Mach die Masche sichtbar: Teile diesen Artikel jetzt in deinen Netzwerken mit anderen Selbstständigen! Nur wenn wir laut werden und unsere Erfahrungen bündeln, bewegen wir etwas gegen das ungefragte Ausspionieren unserer Pflichtangaben.