(Werbung) Ein Bürokomplex als Schauplatz für absolut jede erdenkliche Grausamkeit – vorausgesetzt, die Akteure sind skrupellos genug. Das Spiel des Kaspar beweist, dass es dafür keine düsteren Gassen braucht. Gläserne Fassaden tun es auch.
Das Buch
Benjamin Leeway
Das Spiel des Kaspar
Erscheinungsdatum: 21.10.2025
ISBN: 9783695116942
BoD – Books on Demand

Worum geht’s?
Kaspar Rockwell ist Kreativdirektor bei Pheelix Gamevisions, einem mächtigen Tech-Unternehmen. Hinter der polierten Oberfläche aus Innovation und Erfolg verbirgt sich ein System aus Kontrolle, Loyalitätsprüfungen und Täuschung. Kaspar kennt die Regeln dieses Spiels – und beherrscht es besser als jeder andere. Mit psychologischer Präzision und einem beunruhigenden Gespür für Manipulation arbeitet er sich Etage für Etage nach oben. Der Roman ist klassisch in vier Akte unterteilt: Dunkelheit, Intrige, Chaos und Enthüllung – ergänzt durch Prolog und Epilog.
Meine Meinung
Kaspar ist als Protagonist eine faszinierende Figur – kalt, taktisch überlegen, kaum greifbar. Seine Aura erinnert an die kriminelle Raffinesse eines Patrick Bateman, und das ist durchaus als Kompliment gemeint. Die Enthüllung seiner wahren Identität im Finale gehört zu den absoluten Höhepunkten des Buches. Gut gemacht.
Auch das Worldbuilding überzeugt. Die Settings sind greifbar, die Nebencharaktere – Cleo, Danielle, Tom – tragen trotz nachvollziehbarer Motivationen eine erschreckende Dunkelheit in sich. Begriffe wie „Leoni Neri“ oder „Pedina“ bauen anfangs eine gewisse Hürde auf, entschlüsseln sich aber im Verlauf und tragen zur dichten Atmosphäre bei.
Was mich dagegen etwas gebremst hat, ist das Tempo. Der Auftakt ist klar strukturiert und fesselnd – aber im Mittelteil überschlagen sich die Ereignisse so sehr, dass Tiefe und Charakterentwicklung manchmal auf der Strecke bleiben. Spannende Szenen enden, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten können. Kaspar selbst wirkt dabei gelegentlich zu mühelos erfolgreich – ein paar mehr Steine im Weg hätten seiner Figur mehr Tiefe verliehen und ihn weniger glatt wirken lassen.
Das Finale nimmt etwas Druck heraus und nutzt geschickt Rückblenden, um Kaspars Weitsicht zu offenbaren. Das stellt die Geschichte noch einmal vollständig auf den Kopf – ein gelungener erzählerischer Kniff, der nachwirkt. Besonders das Schicksal von Paul hinterlässt dabei einen tragischen Nachhall.
Fazit
Das Spiel des Kaspar ist ein handwerklich solider Thriller mit einer starken Grundidee, dichter Atmosphäre und einem Finale, das sich wirklich lohnt. Wer auf hochfrequente Intrigen und psychologische Machtspiele steht, ist hier richtig. Etwas mehr Raum zum Atmen im Mittelteil hätte dem Buch insgesamt gutgetan.