Der Über-Dandy Rezension: Verschenktes Potenzial – Sebastian Brück

(Werbung) Die Grundidee hat mich sofort neugierig gemacht: Hanns Heinz Ewers, egomanischer Skandalautor der Kaiserzeit, taucht plötzlich in der Gegenwart auf – mit Spazierstock, Tweedanzug und einem viel zu muskulösen Dackel an der Leine. Das klingt nach einem unterhaltsamen, vielleicht auch nachdenklichen Spiel mit den Epochen. Leider ist es das nicht geworden.

Das Buch

Sebastian Brück
Der Über-Dandy – Hanns Heinz Ewers tanzt Italo Disco

Erscheinungsdatum: 20.02.2026
ISBN: 9783737373807
Omnino Verlag

Vorderseite des Buches „Der Über-Dandy – Biografie eines Lebenskünstlers“ von Sebastian Brück. Die Illustration zeigt einen eleganten älteren Herrn mit Bart, Zylinder, Monokel und Gehstock vor einem leuchtend gelben Hintergrund.
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Worum geht’s?

Hanns Heinz Ewers war zu Lebzeiten ein Star – international gefeiert, literarisch erfolgreich, politisch höchst zweifelhaft. Er war Nationalist, näherte sich den Nationalsozialisten an und schrieb den Horst-Wessel-Roman für die NSDAP. Dann geriet er in Vergessenheit. In diesem Roman taucht eine Figur auf, die ihm wie aus dem Gesicht geschnitten scheint und sich durch das heutige Düsseldorf bewegt – zwischen Kulturgeschichte, Anekdoten und einem wilden Roadtrip durch die deutsche Vergangenheit.

Meine Meinung

Fangen wir mit dem an, was funktioniert: Die Recherche ist gründlich, das Lokalkolorit gelungen. Wer Düsseldorf kennt und mag, wird einige schöne Momente finden.

Was mich aber zunehmend gestört hat, ist die Handlung – oder besser gesagt: ihr weitgehendes Fehlen. Der Großteil des Buches besteht aus langen Monologen vor Düsseldorfer Fassaden, die sich wie eine Aneinanderreihung von Geschichtsanekdoten und Name-Dropping anfühlen. Die Zeitreise-Prämisse wird kaum genutzt, um wirklich etwas zu erzählen. Stattdessen ist da eine makellose Kunstfigur, die durch die Gegenwart spaziert, ohne dass dabei wirklich etwas passiert. Das zieht sich.

Mein eigentliches Problem liegt aber woanders. Hanns Heinz Ewers war keine einfache Figur – er war Rassist, er hat sich den Nationalsozialisten aktiv angenähert, und das war kein kleines Versehen am Rande seines Lebens. Genau das wird hier aber kaum ernsthaft thematisiert. Seine Schattenseiten werden eher verharmlost als kritisch beleuchtet, er wird mehr zum Opfer stilisiert als zum Täter. Und wenn im Text kritische Nachfragen zu seiner NS-Vergangenheit mit einem lapidaren „Lass gut sein“ abgetan werden, dann ist das für mich keine literarische Entscheidung – das ist eine problematische.

Eine solche historische Figur in einem Roman aufzugreifen, ohne diese Auseinandersetzung ernsthaft zu führen, fühlt sich falsch an. Nicht verboten, aber falsch. Und auch das Ende, das mit einem breakdancenden Ewers aufwartet, raubt dem Roman den letzten Rest Ernsthaftigkeit.

Fazit

Der Über-Dandy hat eine gute Idee im Kern – und nutzt sie kaum. Was bleibt, ist ein ereignisarmer Roman mit gelungenem Lokalkolorit, aber fehlender Handlung und einem problematischen Umgang mit einer historisch belasteten Figur. Wer eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Ewers oder einen spannenden Plot erwartet, wird enttäuscht.

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