Die Poesie ist zurück
…oder: Wie ich mein jüngeres Ich wiedertraf.
Es gibt so Momente im Leben, da schließt sich ein Kreis – nicht laut und pompös, sondern still und unerwartet. So einer ist mir gerade passiert.
Vielleicht erinnerst du dich an meinen Beitrag „Lesebändchen der Rache“. Damals erzählte ich, wie mein allererstes Gedicht – „Wege der Liebe“, geschrieben als Teenager mit Herzchaos und Taschentuchvorrat – nicht etwa bewundert, sondern bezweifelt wurde. („Wo hast du das denn abgeschrieben?“ – Danke, Mama. 😅)
Und wie dieses Gedicht viele Jahre später plötzlich in der Frankfurter Bibliothek des zeitgenössischen Gedichts landete.
Tja.
Jetzt hat die 14-jährige Rosi von damals Gesellschaft bekommen.
Denn die 44-jährige Rosi hat’s wieder getan.
Ich habe ein neues Gedicht eingereicht – und wieder Post bekommen.
„Ihr Gedicht wird in der Frankfurter Bibliothek veröffentlicht.“
Diesmal heißt es „Zerknüllt“.
Und ja, ich musste ein bisschen lachen, als ich die Mail las. Drei Jahrzehnte später, anderes Leben, anderer Stil – und trotzdem wieder dort.
Das Schöne daran: Ich hatte die Poesie nie verloren.
Ich hatte sie nur zwischendurch gegen Kurzgeschichten, Blogtexte und gebrannte Holzbrettchen getauscht.
Aber sie war immer da. In den Zwischentönen. In den stillen Momenten. In den Sätzen, die ich nie zu Ende schrieb.
Und als wäre das nicht genug, kam direkt am nächsten Tag noch eine zweite Nachricht:
Mein Gedicht „Wenn die Farben schweigen“ wird in der Anthologie „Gedichte gegen die Kriegstüchtigkeit“ erscheinen.
Zwei Gedichte. Zwei Veröffentlichungen. Zwei ganz verschiedene Facetten – und beide tragen mein Herz zwischen den Zeilen.
Ich bin ehrlich: Ich bin ziemlich glücklich.
Nicht, weil es gedruckt wird (okay, das auch 😄), sondern weil ich gemerkt habe, dass ich sie wirklich nicht verloren habe – diese Poesie, die mich schon als Teenie gerettet hat.
Vielleicht ist das die schönste Form von Wiedersehen:
Wenn du nach Jahren zurückblickst und feststellst, dass das, was dich damals ausgemacht hat, nie ganz verschwunden ist.
Nur reifer. Ruhiger. Wahrer.
Ich schreibe heute nicht mehr für andere.
Ich schreibe, weil Worte mein Zuhause geblieben sind –
auch dann, wenn Menschen es nicht waren.
Und manchmal genügt genau das,
um sich selbst wiederzufinden. ✨