(Werbung) Ich liebe Redewendungen. Und ich bin generell neugierig – ich möchte immer wissen, woher Dinge kommen, was hinter Wörtern steckt, warum wir sagen, was wir sagen. Als ich diesen Duden-Band entdeckt habe, war ich deshalb sofort Feuer und Flamme. Oder wie man so schön sagt: Ich war sofort dabei.
Das Buch
Dudenredaktion / Rolf-Bernhard Essig
Duden – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?
Erscheinungsdatum: 14.03.2018 (aktuelle Auflage: 2024)
ISBN: 9783411705061
Bibliographisches Institut

Jetzt entdecken.
Worum geht’s?
Mehr als 700 Redewendungen werden in diesem Band erklärt – ihre Bedeutung, ihre Herkunft, ihr historischer Kontext. Von der Antike über das Mittelalter bis hin zu Zitaten aus Film und Popkultur: Der sogenannte „Redensartenpapst“ Rolf-Bernhard Essig hat sich durch die Sprachgeschichte gegraben und die Ergebnisse in kurzen, übersichtlichen Absätzen zusammengefasst. Ergänzt wird das Ganze durch Illustrationen und Hinweise auf vergleichbare Wendungen in anderen Sprachen.
Meine Meinung
Fangen wir mit dem an, was wirklich Spaß macht: Die Erklärungen sind meist spannend, manchmal überraschend und immer kurzweilig. Ich weiß jetzt endlich, woher „Ab durch die Mitte“ kommt – und warum wir einen Stromausfall heute auch als „Blackout“ bezeichnen. Solche Momente machen dieses Buch zu einem echten Lesevergnügen für alle, die Sprache lieben.
Dass jede Redewendung nur in einem kurzen Absatz behandelt wird, finde ich dabei sehr gelungen. Es bleibt übersichtlich, man kann gut hin- und herblättern, und es zieht sich nicht. Als schnelles Nachschlagewerk funktioniert das hervorragend.
Was mich jedoch recht schnell gestört hat, ist ein kleines, aber hartnäckiges Wörtchen, das immer wieder auftaucht: „vermutlich“. Bei sehr vielen Redewendungen lässt sich die Herkunft schlicht nicht eindeutig klären – und das wird transparent angegeben, was ich grundsätzlich fair finde. Aber irgendwann fragte ich mich: Warum sind diese Redewendungen dann überhaupt ins Buch aufgenommen worden? Ich wollte Wissen in der Hand haben, keine Vermutungen. An jeder dritten Erklärung ein „vermutlich“ zu lesen, hat mich auf Dauer wirklich genervt.
Wer also tiefgehendes, gesichertes Hintergrundwissen sucht, ist hier nicht immer gut bedient. Das Buch ist eher ein kurzweiliges Nachschlagewerk als ein fundiertes Sachbuch – und das sollte man wissen, bevor man zugreift.
Fazit
„Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?“ ist ein unterhaltsames, gut lesbares Buch für alle, die sich für Redewendungen, ihre Bedeutungen und Herkunft interessieren. Sprachbegeisterte werden hier viele schöne Aha-Momente erleben. Wer jedoch auf der Suche nach gesichertem, tiefgehendem Wissen ist, muss mit häufigen „vermutlich“-Passagen leben – oder woanders nachschlagen.