(Werbung) Manchmal meint es ein Kinderbuch gut – und landet trotzdem bei einer schiefen Botschaft.
Genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen von Fritzi Furchtlos.
Mut, Angst, Anderssein – das sind starke Themen für ein Kinderbuch. Und eigentlich liebe ich Geschichten, die Kindern zeigen, dass sie so sein dürfen, wie sie sind. Umso irritierter war ich, als sich hier eine ganz andere Richtung abzeichnete.
Das Buch
Katja Reder / Thorsten Saleina
Fritzi Furchtlos – Von einer die auszog, das Fürchen zu lernen.
Erscheinungsdatum: 02.01.2026
ISBN: 9783903553446
Vermes-Verlag Ges.m.b.H

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Worum geht’s im Buch?
Fritzi Furchtlos erzählt von einer Ziege, die anders ist als der Rest der Herde. Statt vorsichtig und zurückhaltend zu sein, zeigt sie Mut – zumindest wird das so dargestellt. Die Geschichte führt sie schließlich an Orte, die andere meiden, unter anderem an einen Fluss.
Meine Meinung
Was mich am meisten gestört hat: Die Herde schickt Freddi einfach weg, anstatt ihn anzunehmen, wie er ist. Für mich transportiert das eine problematische Botschaft:
Nicht „Du bist gut so, wie du bist“, sondern eher „Du musst dich ändern oder gehen“.
Gerade bei einem Kinderbuch halte ich solche Untertöne für kritisch. Kinder brauchen Bestärkung – keine unterschwellige Anpassungsaufforderung.
Hinzu kommt die Darstellung von Ziegen als grundsätzlich ängstliche Tiere. Nur weil jemand vorsichtig ist, heißt das nicht, dass er Angst hat. Hier wird ein Klischee bedient, das so schlicht nicht stimmt. Tatsächlich gelten Ziegen im Vergleich zu Schafen als neugierig, mutig und eigenwillig. Sie erkunden neue Dinge aktiv, statt sofort die Flucht zu ergreifen.
Was Ziegen allerdings wirklich nicht mögen, ist Regen und Wasser – ihr Fell ist weniger wasserabweisend als das von Schafen. Dass Freddi sich im Buch in einen Fluss begibt, wird als Mut dargestellt. Dabei ist Abneigung nicht gleich Angst.
Insgesamt empfand ich die Darstellung als überzogen. Für mich wäre es sinnvoll gewesen, am Ende ein oder zwei Seiten mit echten Fakten über Ziegen anzufügen. Das hätte Klischees aufgebrochen, statt sie zu verstärken.
Die Illustrationen sind gut gelungen. Besonders positiv finde ich, dass Emotionen klar über die Gesichtsausdrücke transportiert werden – auch wenn das natürlich nicht naturgetreu ist. Für Kinder funktioniert das gut.
Fazit
Fritzi Furchtlos hat eine nette Grundidee, vermittelt aber aus meiner Sicht eine fragwürdige Botschaft und bedient Tierklischees, die so nicht haltbar sind.
Ein optisch schönes Kinderbuch – inhaltlich jedoch mit deutlichen Schwächen.