Viele Menschen glauben, dass kreative Produkte „aus dem Bauch heraus“ bepreist werden.
„Was würdest du denn dafür nehmen?“
„Na ja… 5 Euro? 7? Vielleicht 10?“
So entstehen Preise, die im besten Fall geraten sind – und im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass viele Kunstschaffende am Ende draufzahlen.
Nach meinem letzten Blogbeitrag haben mich einige Nachrichten erreicht.
Viele Kreative haben geschrieben:
„Danke, endlich spricht das mal jemand aus – aber wie kalkuliere ich denn richtig?“
Und deswegen gibt es heute den passenden Fachartikel dazu.
Ohne Tabellenmonster. Ohne trockene BWL.
Dafür mit Herz, Humor und einer klaren Struktur, die du sofort nutzen kannst.
Warum eine faire Kalkulation kein Luxus ist – sondern Selbstschutz
Handgemachte Produkte haben etwas, das maschinelle Massenware nie haben wird:
Zeit. Persönlichkeit. Können.
Und genau das muss sich im Preis widerspiegeln.
Wenn du unter Wert verkaufst, passiert Folgendes:
– du zahlst indirekt drauf
– du entwertest deine eigene Arbeit
– du setzt andere Kreative unter Preisdruck
– du stärkst die Erwartungshaltung: „Handgemacht = billig“
– du verlierst Motivation
– du gibst dem Hobby keine Chance, mehr zu werden
Kurz gesagt:
Billig verkaufen ist kein Kundendienst. Es ist Selbstschädigung.
Die 6 Bausteine der Preisfindung
Damit ein Preis realistisch ist, braucht es sechs Bestandteile.
Wenn nur einer fehlt, stimmt die Balance nicht.
- Materialkosten Alles, was du kaufen musst – direkt und indirekt.Auch Dinge, die du schon da hast, kosten eigentlich Geld (man hat sie ja irgendwann bezahlt).
- Arbeitszeit Planen, basteln, malen, zeichnen, schleifen, sortieren, verpacken.Plus: Fotos, Beschreibung, Kommunikation.Dein Stundenlohn: mindestens 20 Euro.
- Werkzeug & Maschinen-Abnutzung Scheren, Messer, Brenner, Pinsel, Schneideunterlagen, Nähmaschinen, Zangen.Sie halten nicht ewig.Jeder verkaufte Artikel trägt ein winziges Stück zur Abnutzung bei.
- Nebenkosten Nein, niemand denkt gern daran – aber sie sind da: – Strom– Wasser– Müll– Verpackung– Versandmaterial– Lagerung– Gebühren von Plattformen– Kontokosten– Versicherungen
- Gewinn Das Wort, das viele fast nicht zu sagen wagen.Dabei ist Gewinn kein Bonus, sondern der Anteil, der das Ganze am Leben hält.
- Sicherheitspuffer Weil immer irgendwas schiefgeht.Etwas bricht, verklebt, fällt runter, misslingt, zieht Fäden, tropft.Dafür brauchst du Reserve.
Ein fiktives Beispiel – damit du’s wirklich greifen kannst
Wir nehmen ein Produkt, das du nicht im Sortiment hast:
Ein handgemachtes Lavendel-Duftsäckchen aus Stoffresten.
(Schön anschaulich – aber vollkommen fiktiv.)
Materialkosten:
– Stoffrest (anteilig) = 0,60 €
– Band/Schnur = 0,20 €
– Füllmaterial Lavendel = 1,00 €
– Etikett = 0,15 €
→ Gesamt Material: 1,95 €
Arbeitszeit:
Zuschnitt, Nähen, Füllen, Schließen, Verzieren: ca. 20 Minuten
→ 20 Minuten = 1/3 Stunde
→ 20 €/Stunde × 0,33 = 6,60 €
Werkzeug-Anteil:
Nähmaschine, Nadeln, Garn, Schere, Stecknadeln
→ realistisch: 0,40 €
Nebenkosten:
– Strom (Nähmaschine)
– Raumkosten
– Verpackung
– Versandmaterial anteilig
– Gebühren für Shop / Plattform
→ realistisch: 1,20 €
Gewinn / Unternehmerrücklage:
→ ca. 1,20 €
Gesamt:
1,95 €
- 6,60 €
- 0,40 €
- 1,20 €
- 1,20 €
= 11,35 €
Für ein kleines Duft-Säckchen.
Kein Luxusstück.
Keine High-End-Kunst.
Ein simples Produkt.
Fairer Preis im Shop:
12–14 Euro
Und das ist kein Wucher.
Das ist realistisch.
Wenn du dieses Säckchen für 5 Euro anbietest?
Du machst Verlust.
Ganz eindeutig.
Warum Kundinnen und Kunden oft gar nicht wissen, was dahintersteckt
Viele sehen nur:
„Material kostet 2 Euro – warum ist der Preis dann nicht 3,50?“
Weil Material nicht der Preis ist.
Material ist ein Bruchteil.
In deinem Content kannst du später wunderbar ein Diagramm zeigen, etwa so:
– Material 20–30 %
– Arbeitszeit 30–50 %
– Werkzeuge 5–10 %
– Nebenkosten 10–30 %
– Gewinn 10–20 %
Das verstehen Menschen sofort – und teilen es sehr gern.
Die größten Fehler bei der Preisfindung
Viele Kreative…
(und das ist völlig menschlich)
… machen immer wieder dieselben Fehler:
– Arbeitszeit nicht eingerechnet
– Werkzeugkosten vergessen
– Verpackung übersehen
– Gewinn unterschlagen
– Vergleich mit Ladenpreisen
– Preise aus dem Bauch statt aus Kalkulation
– Bauchweh, wenn es „zu teuer“ erscheint
Aber ein Preis, der sich zu niedrig anfühlt, ist oft ein Preis, der einfach nur vernünftig ist.
Wie du den richtigen Preis selbstbewusst kommunizierst
Wenn jemand sagt:
„Das ist aber teuer…“
Dann sagst du:
„Ich kalkuliere fair – Material, Zeit und Qualität haben ihren Preis.“
„Das ist ein Unikat, kein Massenprodukt aus dem Regal.“
„Ich kann dir gern zeigen, wie der Preis entsteht.“
„Wenn dir das zu teuer ist, ist das völlig okay – aber der Preis bleibt.“
Das ist nicht unfreundlich.
Das ist professionell.
Ein letzter Gedanke
Faire Preise sind kein Ego-Trip.
Sie sind Wertschätzung – dir selbst gegenüber.
Und deinen Kundinnen und Kunden gegenüber, die ein echtes, handgemachtes Stück bekommen, das mit Zeit, Sorgfalt und Persönlichkeit entstanden ist.
Unter Wert zu verkaufen heißt nicht „Liebe zeigen“.
Es heißt: sich kleiner machen, als man ist.
Du bist nicht klein.
Deine Kunst auch nicht.
Also zeig’s im Preis.
👍 Sehr guter Artikel! Vielen Dank dafür!