Ein festliches Kochbuch – aber wie viel „Hessen“ steckt wirklich drin?
(Werbung) Wenn ein Kochbuch den Titel „Hessische Festtagsmenüs“ trägt, weckt das Erwartungen: regionale Besonderheiten, typisches Lokalkolorit, vielleicht sogar ein bisschen Heimatgefühl zwischen den Seiten.
Handkäs, grüne Soße, Ahle Wurst, Frankfurter Schnitzel – du weißt schon. Dachte ich auch. 🙃
Also habe ich mir das Buch von Kristiane Müller-Urban vorgenommen, mich durch die 30 festlichen Rezepte geblättert und einiges ausprobiert. Was ich bekommen habe? Ein Kochbuch mit vielen bekannten Klassikern – aber wenig hessischem Charakter.
Das Buch
Kristiane Müller-Urban
Hessische Festtagsmenüs
Erscheinungsdatum: 10.10.2025
ISBN: 9783955425203
Societäts-Verlag

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Darum geht es in dem Buch
Inhalt: 30 Rezepte in drei Kategorien
Das Buch ist übersichtlich aufgebaut und liefert:
- 10 Vorspeisen
- 10 Hauptgerichte
- 10 Desserts
Das Ganze ist solide und ohne viel Schnörkel präsentiert. Die Gerichte reichen von Ente über Wildschwein bis zu Ochsenbäckchen – letztere sind ja inzwischen selbst bei uns in der Thüringer Provinz angekommen 😉.
Was mir dabei sofort auffiel: Die Gerichte könnten so auch in einem Kochbuch aus Bayern, Baden oder eben Thüringen stehen. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal? Fehlanzeige.
Klöße, Klassiker und kleine Kritik
Als jemand, der mit Thüringer Klößen aufgewachsen ist, hab ich natürlich besonders auf die Kartoffelbeilagen geachtet. In Hessen bestehen die Klöße im Buch aus 100 % gekochten Kartoffeln – anders als bei den klassischen Thüringer Klößen mit roher Masse. Schmecken tun sie trotzdem, keine Frage. Aber eben anders. Und weniger „besonders“, wenn man den Vergleich gewohnt ist.
Was die Hauptgerichte angeht: lecker, klar. Aber auch wenig überraschend. Für mich, mit über 66 Jahren Kocherfahrung, war da kaum etwas Neues dabei. Viele Gerichte könnte ich auch ohne Rezeptbuch kochen – mit verbundenen Augen und einer Katze auf dem Arm 😄.
Positiv überrascht haben mich die Desserts
Hier hat das Buch wirklich gepunktet. Die Nachspeisen bringen frischen Wind in die festliche Tafel. Kreativ, modern, dabei nicht überkandidelt – das war für mich der beste Teil des Buches. Wenn der ganze Band so experimentierfreudig gewesen wäre, hätte ich vielleicht sogar Gänsehaut bekommen (und nicht nur vom Kühlregal).
Was mir gefehlt hat
Ganz klar: der Regionalbezug.
Der Titel verspricht hessische Festtagsmenüs – was ich bekommen habe, waren festliche Menüs, wie man sie fast überall in Deutschland finden kann. Das ist okay, aber nicht das, was draufsteht.
Ich hätte mir gewünscht, dass wenigstens ein paar Gerichte mit typisch hessischen Zutaten spielen:
Handkäs, Kochkäs, Ahle Wurst, Frankfurter, Kräuter der grünen Soße, Apfelwein mal anders eingesetzt … Stattdessen wirkt das Buch so, als sei „hessisch“ einfach nur ein freundlicher Hinweis auf die Herkunft der Autorin – oder darauf, dass man die Zutaten rund um Weihnachten in Hessen kaufen kann.
Mein Fazit: Solide Küche, aber kaum Regionalcharakter
„Hessische Festtagsmenüs“ ist ein gut gemachtes Kochbuch für alle, die ein klassisches Festessen suchen, ohne zu viel Experimente. Es eignet sich hervorragend für Menschen, die Menüvorschläge für Weihnachten, Silvester oder Familienfeiern brauchen – gerade auch für Kochanfänger*innen.
Wer aber hessische Originalität erwartet, wird enttäuscht.
Das Buch hätte deutlich mehr Charakter zeigen können, hätte es sich auf die spannenden, oft unterschätzten Zutaten der Region eingelassen.