(Werbung) Manchmal greift man zu einem Buch mit einer faszinierenden Grundidee und der festen Absicht, sich auf ein außergewöhnliches literarisches Experiment einzulassen. Genau mit dieser Neugier habe ich zu „M VS F“ von Johannes Ulbricht gegriffen, das im Blond Verlag erschienen ist. Doch was als surrealer Roadtrip zwischen Traum und Realität angekündigt wird, entpuppte sich für mich leider als eine echte Lese-Tortur. Nach zahlreichen Versuchen und ständigen Neuanfängen musste ich mich letztlich geschlagen geben und habe das Buch nach knapp der Hälfte nur noch überfliegen können.
Das Buch
- Autor: Dr. Johannes Ulbricht
- Titel: M VS F
- Erscheinungsdatum: 01. Dezember 2026
- ISBN: 978-3981729597
- Verlag: Blond Verlag

Worum geht es in „M VS F“?
Venni und Isabella reisen gemeinsam von Kontinent zu Kontinent, angetrieben von der Jagd nach Ruhm und Anerkennung für ihr gemeinsames Filmprojekt. Dabei geraten sie in eine surreale, traumartige Welt, in der die Grenzen zwischen Manipulation, Gewalt, Identität und Realität zusehends verschwimmen. Während ein Skript entsteht, das die eine Person geschrieben hat und die andere als ihr eigenes Werk ausgibt, wird die Reise zu einem immer diffuseren Geflecht aus Machtspielen und bizarren Begegnungen.
Ein schönes Lesebändchen und das große Fragezeichen
Wenn man bei einem Buch ehrlich nach positiven Aspekten suchen muss, ist die physische Aufmachung oft der einzige Rettungsanker: Das Buch besitzt ein Lesebändchen, was bei Hardcovern immer ein angenehmes Detail ist. Doch abseits dieser haptischen Kleinigkeit fangen die Probleme leider sofort an. Bereits beim Aufschlagen fällt auf, dass auf dem Schutzumschlag bzw. dem Einband des Buches selbst überhaupt kein Klappentext abgedruckt ist. Wer das Buch in den Händen hält, erfährt erst einmal gar nicht, worauf man sich eigentlich einlässt – eine sehr merkwürdige redaktionelle Entscheidung.
Ein wirrer Einstieg ohne Halt
Schon auf den ersten Seiten wird man völlig unvorbereitet und ohne jede Einordnung mitten ins Geschehen geworfen. Es gibt keinen nachvollziehbaren Einstieg, keinen Aufbau und keine Orientierung. Stattdessen bekommt man Figuren vor den Latz geknallt, deren Dynamik, Hintergrund und Absichten im völligen Dunkeln bleiben. Der Schreibstil ist extrem eigenwillig und sprunghaft. Beim Lesen hatte ich permanent das Gefühl, als würde schlicht die Hälfte der Geschichte fehlen. Zusammenhänge erschließen sich kaum, Absätze wirken zusammenhanglos und ein roter Faden ist praktisch nicht greifbar.
Dass die Grundidee – das Aneignen fremder kreativer Werke und die gegenseitige Manipulation bei einem Filmprojekt – eigentlich Potenzial hätte, macht das Ganze umso frustrierender. Selbst herauszufinden, wer Venni und wer Isabella ist oder wer welche Rolle einnimmt, glich einer mühsamen Detektivarbeit, da die Erzählperspektive und Identitäten diffus ineinanderfließen.
Traumwelt statt Tiefe und unauffindbare Erotik
Die Online-Buchbeschreibung verspricht eine traumartige Welt und erotische Spannung. Dass sich die Handlung in einer Traumwelt verliert, kann man definitiv bestätigen – allerdings im denkbar negativsten Sinne. Es gleicht einem anstrengenden, verwirrenden Fiebertraum, der einen mit rauchendem Kopf zurücklässt. Von der angekündigten Erotik war für mich beim Lesen weit und breit nichts zu spüren; was der Autor hierunter versteht, blieb mir ein absolutes Rätsel.
Hinzu kommt, dass die Figuren extrem unnahbar, kalt und unsympathisch gezeichnet sind. Es gelang mir zu keinem Zeitpunkt, eine emotionale Bindung aufzubauen oder ihre Entscheidungen nachzuvollziehen. Mit solchen Charakteren möchte man im echten Leben nicht die geringste Konversation führen.
Mein Fazit: Für wen lohnt sich das Buch?
Nachdem ich mich immer wieder mühsam von vorne bis fast zur Buchmitte durchgekämpft und letztlich nur noch quergeblättert habe, bleibt Ernüchterung pur. „M VS F“ mag für Leserinnen und Leser gedacht sein, die extrem avantgardistische, handlungsfreie und surreale Textfragmente schätzen. Wer jedoch eine greifbare Geschichte, ausgearbeitete Charaktere, Spannung oder eine nachvollziehbare Dramaturgie sucht, wird hier schwer enttäuscht. Trotz einer spannenden Grundidee scheitert das Buch leider komplett an seiner unzugänglichen Umsetzung.