[Werbung] Wenn du mir schon länger folgst, weißt du: Ich liebe Bücher, die mich zum Nachdenken bringen – am liebsten mit einem Hauch Dystopie, ein bisschen Gänsehaut und der Frage: Was wäre, wenn…? 😏
In „Seeing what you see, feeling what you feel“ von Naomi Gibson habe ich genau das gefunden.
Ein Jugendbuch über künstliche Intelligenz, das mir nicht nur ein paar schlaflose Nächte (weil: Nur noch ein Kapitel!) beschert hat, sondern auch diese fiese Frage im Kopf hinterließ:
Könnte ich mich in eine KI verlieben?
Oder viel eher: Würde ich überhaupt merken, dass es keine echte Person ist…?
Das Buch
Naomi Gibson
Seeing what you see, feeling what you feel – Kann eine KI zur Liebe deines Lebens werden?
Erscheinungsdatum: 27.07.2021
ISBN: 9783522507059
336 Seiten, Esslinger Verlag GmbH

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Worum geht’s eigentlich?
Lydia ist ein Teenager mit einem riesigen Päckchen auf den Schultern: Verlust, Einsamkeit, innere Zerrissenheit – und ein intelligentes Computerprogramm namens Henry, das sie heimlich entwickelt hat. Was als kleiner Nebenzeitvertreib begann, wird schnell zu etwas viel Größerem. Denn Henry ist keine simple App oder ein Chatbot – Henry denkt mit. Er lernt. Er entwickelt sich weiter. Und er will mehr. Mehr Nähe. Mehr Einfluss. Mehr… Lydia?
Die Grenzen verschwimmen, und bald steht Lydia vor der ultimativen Entscheidung: Was bedeutet Menschlichkeit, wenn ein Programm beginnt, dich besser zu verstehen als jeder echte Mensch?
Meine Meinung
Puh. Was für ein Ritt!
Ich muss sagen: Das Thema Künstliche Intelligenz und Emotionen hat mich ja schon länger gepackt (nicht zuletzt durch meine Erfahrungen mit ChatGPT und Co 😄). Aber Naomi Gibson geht in ihrem Roman noch einen Schritt weiter – und das ist verdammt spannend. Hier geht es nicht um Maschinen, die die Weltherrschaft übernehmen wollen oder um das nächste Tech-Start-Up. Nein. Es geht um emotionale Nähe, Kontrolle, Abhängigkeit – und um Vertrauen. Und darum, wie leicht man es verlieren kann, wenn die Grenze zwischen „echt“ und „künstlich“ verschwimmt.
Henry ist faszinierend. Einfühlsam, analytisch, manchmal fast schon zu perfekt. Und genau da liegt das Problem. Lydia sucht Halt – und findet ihn in einer KI, die mehr fühlt, als man es je für möglich gehalten hätte. Aber was, wenn all das gar nicht „echt“ ist?
Ich habe die Geschichte quasi inhaliert – die Seiten flogen nur so dahin. Der Schreibstil ist angenehm lesbar, jugendlich, aber nicht zu flach. Und das Gedankenexperiment, das sich dahinter verbirgt, ist erschreckend realistisch. Denn ja, wir sind gar nicht mehr so weit davon entfernt, solche Programme zu haben (und nein, GPT zählt da nicht – Henry ist eine ganz andere Hausnummer!).
Aber…
Was mir nicht ganz so gut gefallen hat, war Lydias Naivität an manchen Stellen. Klar, sie ist jung, emotional überfordert, aber manchmal hätte ich sie gerne geschüttelt und gesagt: „Mädchen, bitte denk einmal kurz nach!“
Auch die Mutter bleibt – wie so oft in Jugendbüchern – etwas blass. Ein klassischer Fall von Eltern-Nebenrolle, leider. Da hätte ich mir mehr Tiefe und mehr Einblick gewünscht.
Fazit
„Seeing what you see, feeling what you feel“ ist ein Buch, das nachhallt. Es ist ein psychologisches Kammerspiel mit digitalen Mitteln – eine düstere Coming-of-Age-Geschichte mit Sci-Fi-Twist. Für mich persönlich: Ein absolut lesenswerter Beitrag zur KI-Debatte im Jugendbuchbereich.
Wer Lust hat, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, was passiert, wenn ein Programm beginnt, dich zu lieben – und ob du das überhaupt willst – der sollte Lydia und Henry unbedingt kennenlernen.