100 % Mensch, 0 % Vertrauen: Wie KI-Scanner uns verdächtigen

Im Feed meines Mannes wurde vor Kurzem ein Artikel heiß diskutiert, der mir ordentlich zu denken gegeben hat. Es ging um den aktuellen Fall rund um das Buch „Shy Girl“, dessen Veröffentlichung beim Verlag Hachette gestoppt wurde, weil der Verdacht im Raum stand, der Text sei mithilfe von KI erstellt worden.

Wer diesen Blog kennt, weiß: Ich habe mich zu dieser Debatte schon extrem oft geäußert. Schon früh habe ich mich gefragt: Mensch oder Maschine – Wird KI uns beim Schreiben ersetzen? und beleuchtet, ob die Faszination ChatGPT eine unterschätzte Gefahr darstellt.

Auf der einen Seite nutze ich die Technik pragmatisch, wie ich in Künstliche Intelligenz im Alltag zeige. Auf der anderen Seite kenne ich die Zerrissenheit genau, die ich in Künstliche Intelligenz und Kreativität beschrieben habe: Es ist eine ständige Gratwanderung zwischen Faszination und den echten Sorgen einer Künstlerin.

Doch der aktuelle Fall hat mich dazu gebracht, selbst wieder aktiv zu werden. Ich wollte wissen, wie es um die Werkzeuge steht, die heute über das Schicksal von Texten entscheiden. Was ich dabei erlebt habe, hat mir schlichtweg die Sprache verschlagen.

Der Selbstversuch: Mein Buch im Visier der Algorithmen

Ich habe mir das erste Kapitel meines Manuskripts Das stille Vermächtnis geschnappt – an dem Buch habe ich fast ein ganzes Jahr lang geschrieben, mit jedem Fitzelchen Herzblut, das ich aufbringen konnte. Da der Text als Leseprobe ohnehin öffentlich im Netz steht, dachte ich mir: Wagen wir das Experiment und jagen es durch diese hochgelobten „KI-Detektoren“.

Das Ergebnis hat mir kurz die Luft zum Atmen geraubt: Laut den Tools Grammarly und GPTZero ist mein mühsam selbst verfasster Text zu 93 bis 100 % KI-generiert!

AUTSCH!!! 😳

Fehlalarm im KI-Detektor GPTZero: Ein Auszug aus dem gedruckten Buch 'Das stille Vermächtnis' wird fälschlicherweise als 93 Prozent KI-generiert eingestuft.
Falsch-positiv bei GPTZero: Mein handgeschriebener Buchtext aus „Das stille Vermächtnis“ wird vom Algorithmus als 93 % KI-generiert gebrandmarkt.
[Quelle: Screenshot gptzero.me]
Grammarly KI-Scanner zeigt ein fehlerhaftes Ergebnis: Der echte Romantext aus 'Das stille Vermächtnis' wird zu 100 Prozent als KI-generiert bewertet.
Absurde 100 % KI-Quote bei Grammarly: Ein Ergebnis, das zeigt, wie unzuverlässig automatische KI-Scanner bei echten Romanen sind.
[Quelle: Screenshot grammarly.com]

Ich saß vor dem Bildschirm, der Puls auf 180. Aber nachdem sich die erste Schockwelle gelegt hatte, dachte ich mir ganz in üblicher Rosi-Manier: „Ich kriege euch schon noch!“

Ich wollte es genauer wissen. Als Erstes ließ ich eine KI eine kurze Geschichte schreiben. Ehrlich gesagt war ich beim Prompten etwas überfordert, vermutlich ginge das viel cleverer. Mein Befehl lautete sinngemäß: „Schreibe mir eine kurze Geschichte mit 10.000 Wörtern, gefühlvoll und authentisch, als wäre sie von einem Menschen geschrieben, und so, dass sie KI-Detektoren besteht.“

Das Resultat im Scanner: 99 bis 100 % KI-generiert. Beruhigend – denn in diesem Fall stimmte das Urteil ja wenigstens.

GPTZero-Ergebnis für eine ki-generierte Kurzgeschichte: Der Detektor erkennt den generierten Text korrekterweise zu 99 Prozent als KI.
Korrekt erkannt: Die von der KI verfasste Kurzgeschichte wird bei GPTZero mit 99 % KI-Wahrscheinlichkeit bewertet.
[Quelle: Screenshot gptzero.me / Geschichte Microsoft Copilot]
Grammarly KI-Scanner analysiert die generierte Test-Geschichte: Das Tool bewertet den Text zu 100 Prozent als KI-generiert.
Hier stimmt die Diagnose: Grammarly erkennt die per Prompt erstellte Flashfiction zu 100 % als KI-Text.
[Quelle: Screenshot grammarly.com / Geschichte Microsoft Copilot]

Der ultimative Härtetest mit Absurditätsgarantie

Aber ich brauchte einen WIRKLICHEN Test. Glücklicherweise erinnerte ich mich an einen alten Blogartikel aus dem Jahr 2022. Damals – lange bevor es zur Pflicht wurde – hatte ich aus reinem Bauchgefühl heraus einen einzigen Absatz von einer KI schreiben lassen und diesen völlig transparent als solchen gekennzeichnet. Irgendwie hatte ich geahnt, dass diese Debatte auf uns zukommt. (Wie vorausschauend ich doch schon vor Jahren war! 😉)

Ich kopierte also genau diesen Absatz, der zu 100 % von einer KI stammt, in die Scanner.

Kann KI uns irgendwann beim Schreiben ersetzen? Die Frage ist zwar etwas provokant, aber es gibt einige Leute, die das behaupten. Sie sagen, KI könne bald so gut wie Menschen schreiben und dass es in Zukunft keine Bedarf mehr für menschliche Autoren gäbe. Natürlich ist das Unsinn – oder?

Dieser Einleitungstext wurde von Rosi, einem „echten“ Menschen verfasst. Das merkt man einfach, da sie das Thema von mehreren Seiten und kritisch angeht! Sowas kann ja nur ein Mensch! – Sicher??? Ganz sicher??? 😉 Die Lösung findet sich in diesem Beitrag.

Quelle: Mensch oder Maschine? – Wird KI uns beim Schreiben ersetzen?

BÄHM!

  • GPTZero behauptete steif und fest: Der Text stammt zu 0 % von einer KI – also zu 100 % von einem Menschen!
Schwerer Fehler im KI-Detektor GPTZero: Ein tatsächlich KI-generierter Absatz aus dem Jahr 2022 wird fälschlicherweise als 100 Prozent menschlich eingestuft.
Der ultimative Beweis für die Unzuverlässigkeit: Ein zu 100 % von einer KI verfasster Absatz wird von GPTZero fälschlicherweise als 100 % menschlich bewertet.
[Quelle: Screenshot gptzero.me]
  • Grammarly tippt auf ein Gemisch aus 46 % KI und 54 % Mensch.
Grammarly KI-Scanner zeigt ein ungenaues Ergebnis: Ein vollständig KI-generierter Absatz wird zu 54 Prozent als menschlich eingestuft.
Raten statt Erkennen: Grammarly ordnet den 100 % KI-generierten Text fälschlicherweise als eine Mischung ein (46 % KI, 54 % Mensch).
[Quelle: Screenshot grammarly.com]

Spätestens hier wird die ganze Misere deutlich: Ein hunderprozentig menschlicher Roman, in den ein ganzes Jahr Arbeit geflossen ist, wird als Maschinen-Text abgestempelt. Ein rein synthetischer Text dagegen wird als menschliches Meisterwerk durchgewunken.

Wer mir danach noch erzählen will, dass diese Scanner zuverlässig sind, dem ist nicht mehr zu helfen. Nur weil du einen Text dort eingibst und ein Ergebnis ausgespuckt bekommst, bedeutet das rein gar nichts!

Die Kehrseite: Warum wir alle unter Generalverdacht stehen

Ich verstehe die Sorge da draußen absolut. Natürlich gibt es inzwischen unzählige KI-generierte Bücher auf dem Markt. Das meiste davon ist minderwertiger SLOP, der den Buchmarkt überschwemmt. Das versaut uns echten Schreibenden, die mit Leidenschaft und Emotionen bei der Sache sind, komplett den Ruf.

Ich habe mich schon öfter verteidigen müssen und offen gelegt, wie viel ChatGPT in meinen Artikeln steckt. Es tut weh zu sehen, warum Autorinnen wegen KI plötzlich unter Generalverdacht stehen, nur weil Texte strukturiert oder flüssig verfasst sind.

Das Problem ist: Das Thema wird völlig falsch angepackt. Womit wurden diese KIs denn überhaupt gefüttert und trainiert?

Ganz genau: Mit ECHTEN Daten von ECHTEN Autorinnen und Autoren!

Nur weil ich gerne bildliche Beschreibungen, metaphernreiche Vergleiche und emotionale Tiefe nutze, heißt das nicht, dass mein Text aus einer Maschine stammt. Vielmehr haben sich die Algorithmen an genau unseren Schreibstilen bedient und diese kopiert.

Und jetzt will die Welt unsere echten Texte nicht mehr lesen oder begegnet ihnen mit tiefem Misstrauen, weil ein Algorithmus mit unserer Sprache gefüttert wurde und die Schreibstile sich nun ähneln??? 🤯

Mein Fazit: Warum echte Worte unersetzbar bleiben

Sorry Welt, aber ich schreibe trotzdem weiter.

Ich werde meine Sprache nicht anpassen, nur um irgendwelchen fehlerhaften Programmen zu gefallen. Ich werde nicht anfangen, flacher oder schlechter zu schreiben, nur damit ein fehlerhafter Scanner grünes Licht gibt. Warum echte Worte heute radikaler sind denn je, zeigt sich genau an solchen Irrwegen.

Ich bleibe dabei: Ohne KI in meinen Manuskripten, mit meinen geliebten bildhaften Beschreibungen – und mit noch viel mehr Herzblut als je zuvor! ❤️

Jetzt bist du dran: Hastdu deine eigenen Texte schon mal durch solche KI-Scanner gejagt? Was hälst du von dem pauschalen Generalverdacht gegenüber Schreibenden? Lass uns in den Kommentaren darüber diskutieren!

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