Leben mit Mann und Katzen: Die Kunst der Kompromisse

Wer mit Katzen zusammenlebt, kennt eine grundlegende Wahrheit: Man lebt nicht mit Katzen. Man lebt für Katzen. Der Unterschied ist subtil, aber wichtig. Wie das in unserem Haushalt mit Ron, Aronia (13, Diva mit Sarkasmus-Lizenz) und Minou (15, stille Herrscherin) aussieht – hier ist die ehrliche Version, ohne Beschönigung.

Die Raumaufteilung – oder: Wer hat eigentlich wo das Sagen?

Vor zwei Jahren haben Ron und ich eine der besten Entscheidungen unseres gemeinsamen Lebens getroffen: separate Arbeitszimmer.

Ron hat die Männerhöhle – unser altes Arbeitszimmer, Zocken und Fluchen inklusive. Ich habe drei Zimmer im zweiten Stock: Atelier, Büro, Lager. Alles meins. Endlich Konzentration. Endlich keine wippenden Beine neben mir.

Theoretisch.

Denn Minou hat beschlossen, dass der zweite Stock ihr gehört. Seit die Raumspartreppe eingebaut wurde, ist mein Atelier ihr persönliches Reich. Mein Papasan – jahrzehntelanger Kindheitstraum, endlich erfüllt – ist jetzt ihr Stammplatz. Sie liegt darin mit dieser selbstverständlichen Gelassenheit, die nur Katzen beherrschen. Kein Zögern, keine Verhandlung, kein schlechtes Gewissen.

Aronia nutzt ihn übrigens auch. Abwechselnd. Je nachdem wer zuerst da war.

Ich bin meistens nicht zuerst da.

Die Nacht der Zahnpasta

Es war irgendwann abends. Pflegeroutine. Zähne putzen, Gesichtswasser, Creme. Aronia saß wie immer auf der Fensterbank und beobachtete das alles mit jener stillen Aufmerksamkeit, die sie für Vorgänge reserviert, die sie für fragwürdig hält.

Ich griff zur Tube. Verteilte den Inhalt im Gesicht. Komisch – die Creme schien fester als sonst. Und warum brannte das so? Die Augen fingen an zu tränen.

Ein Blick auf die Tube: Zahnpasta. Ich hatte mir Zahnpasta ins Gesicht geschmiert.

Aronia saß noch immer auf der Fensterbank. Kopf leicht erhoben. Dieser Blick: „Frauchen, ich habe es dir gleich gesagt.“

Von wegen Katzen können nicht lachen.

Das Leinentraining – eine Tragödie in Versform

Eines Frühlings kam ich auf die glorreiche Idee, Minou an die frische Luft zu bringen. Richtig raus. In den Garten. Mit Geschirr und Leine.

Minou fand das weniger glorreich.

Zuerst lief sie in der Wohnung unter Stühle, über den Kratzbaum und durch alles, was ihr in den Weg kam – als wollte sie zeigen, was sie von der ganzen Angelegenheit hielt. Dann trug ich sie nach draußen. Hundegebell von nebenan. Minous Nerven: am Ende. Meine Nerven: auch.

Das Abenteuer inspirierte mich zu einem Gedicht, dessen letzter Vers alles zusammenfasst:

„Am Ende waren wir beide völlig fertig – Katze und Mensch, gleichwertig.“

Minou hat danach geschmollt. Ich habe ihr versprochen, dass sie bei mir bleiben darf, für immer. Sie hat mir verziehen. Der Katzenbalkon wurde installiert. Seither braucht niemand mehr eine Leine.

Die Tastatur – ein ewiger Konflikt

Minou hat eine Theorie: Wenn ich zu lange am PC sitze, brauche ich eine Pause. Ihre Methode: Sie legt sich auf die Tastatur. Nicht daneben. Direkt drauf. Mit vollständigem Körpereinsatz.

Ich schiebe sie runter. Sie kommt wieder. Irgendwann gebe ich auf.

Aronia bevorzugt die direkte Methode: Sie starrt mich an, bis ich aufstehe. Das kann Hunger sein, Langeweile oder schlicht der Wunsch nach Aufmerksamkeit. Meistens eine Kombination. Es funktioniert jedes Mal.

Ron hat in der Männerhöhle damit weniger Probleme. Die Katzen bevorzugen offenbar mein Stockwerk. Was das über mich aussagt, möchte ich nicht zu Ende denken.

Was ich in all den Jahren gelernt habe

Kompromisse schließt man in diesem Haushalt nicht am Verhandlungstisch. Man schließt sie, indem man irgendwann aufhört zu kämpfen.

Der Papasan ist Aronias. Die Tastatur ist temporär besetzt. Die Pflegeroutine erledigt man besser mit Brille und ohne Eile. Und Leinentraining macht man – wenn überhaupt – bei windstillem Wetter, ohne Hunde in der Nachbarschaft, mit sehr viel Geduld und sehr niedrigen Erwartungen.

Ron hat seine Männerhöhle. Ich habe meinen zweiten Stock – plus zwei Mitbewohnerinnen, die ich nicht eingeladen habe und nicht wegschicken würde.

Nicht mal, wenn ich es wollte. Was ich nicht will.

Irgendwann hat man sich gefunden, in diesem Haus mit den vielen Stockwerken, dem alten Holzfenster und dem Blick auf die Pferde. Aronia auf dem Papasan. Minou auf der Fensterbank. Ron mit seinem Controller. Und ich dazwischen – meistens mit der falschen Tube in der Hand, aber mit dem richtigen Gefühl.

Wie sieht dein Mehr-Spezies-Alltag aus? Wer hat bei euch das Sagen – und wer glaubt es zu haben? 😄 Schreib es in die Kommentare.

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