Viel Kräutermagie, wenig Konflikt

(Werbung) Ein liebevoll gestaltetes Cover, das sofort Ruhe und Naturverbundenheit ausstrahlt – Lulu und das Kräuterbuch von Christine Erkens hat mich auf den ersten Blick angesprochen. Und obwohl ich den ersten Band der Reihe nicht kenne, bin ich neugierig in die Geschichte eingestiegen.

Was mich erwartet hat, war ein freundlich erzähltes Kinderbuch mit warmen Figuren, schönen Zeichnungen und viel Naturbezug – aber leider auch eine Handlung, die mir stellenweise zu glatt und wenig nachvollziehbar erschien.

Das Buch

Christine Erkens
Lulu und das Kräuterbuch

Erscheinungsdatum: 23.10.2025
ISBN: 9783899185294
Lippe Verlag

Worum geht’s?

Lulu und ihre Freundin Pauline verbringen ihre Sommerferien in einem kleinen Dorf, in dem scheinbar jeder jeden kennt. Die beiden stöbern auf einem alten Hof und entdecken dort nicht nur die liebevoll restaurierte Umgebung, sondern auch zwei geheimnisvolle Kräuterfrauen – Rosalie und Violene.

Nach und nach tauchen sie tiefer in die Geschichte des Hofes, der Kräuterheilkunde und einer alten Verbindung zu einem Jungen namens Carlos ein. Es geht um Familie, Vergangenheit, Zusammenhalt – und um ein altes Kräuterbuch, das mehr mit den Figuren zu tun hat, als es zunächst scheint.

Meine Eindrücke

Zuerst das Positive: Die Illustrationen sind wunderschön, besonders die Darstellungen der Tiere wie Hühner oder Esel haben mich berührt und wecken Erinnerungen. Auch der Schreibstil ist angenehm und lässt einen schnell in die Geschichte gleiten. Man fühlt sich fast selbst wie ein Teil dieses kleinen, friedlichen Dorfes.

Ich mochte die Atmosphäre – und auch die Figur der Kräuterfrauen ist sehr gelungen: freundlich, hilfsbereit, ein bisschen geheimnisvoll. Das Thema Tierschutz wird dezent, aber wirkungsvoll eingebunden. Und dass am Ende die familiären Verbindungen aufgedeckt werden, gibt der Geschichte emotionale Tiefe.

Aber: Mir war vieles zu glatt.
Die Charaktere – besonders die Mädchen – handeln oft wenig glaubwürdig. Sie betreten fremde Grundstücke, nehmen Dinge von Fremden an, arbeiten freiwillig in den Ferien – alles ohne echte Konsequenzen oder Zweifel. Auch die Erwachsenen scheinen in ihrer Naivität eher einem Bilderbuch als der Realität zu entstammen. Das stört mich gerade bei einem Buch, das sich realitätsnah gibt.

Einige Szenen wirkten auf mich einfach nicht durchdacht: Warum braucht es extra „Baustellenzeit“, um über etwas zu reden, das man auch im Bus besprechen könnte? Warum hat der Bäcker plötzlich besseres Brot – aber niemand weiß warum? Und dann die telepathische Verbindung zu Carlos … das war für mich der Punkt, an dem die Geschichte ins Übernatürliche abdriftete – und leider an Glaubwürdigkeit verlor.

Auch organisatorisch blieben für mich Fragen offen: Wie kam das Kräuterbuch an die richtige Adresse, wer hatte Zugriff auf alte Akten, und warum wirkt alles so perfekt zusammengefügt? Schön erzählt, ja – aber leider ein bisschen zu märchenhaft.

Das Extra mit Mandalas und Mitmachseite ist nett gemeint, aber für mich persönlich überflüssig. Ich finde, Bücher sind keine Malbücher – schon gar nicht, wenn sie später vielleicht weitergegeben werden sollen.

Fazit

„Lulu und das Kräuterbuch“ ist ein sanft erzähltes, warmherziges Kinderbuch mit einer liebevollen Botschaft über Natur, Familie und Mitgefühl. Es punktet mit tollen Zeichnungen, einer schönen Grundidee und sympathischen Nebenfiguren.

Doch insgesamt war mir die Geschichte zu einfach, zu glatt und an vielen Stellen nicht nachvollziehbar. Viel Herz – aber wenig echte Spannung oder Konflikt.

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