Manuskript fertig – und nun? Der Weg zum Buch

Der letzte Satz ist geschrieben. Das Manuskript liegt vor dir – fertig, zumindest so weit, wie ein Manuskript jemals fertig ist. Und dann kommt die Frage, auf die einen das Schreiben nicht vorbereitet: Was jetzt? Der Weg vom fertigen Text zum echten Buch hat mehr Schritte, mehr Entscheidungen und mehr überraschende Kosten als ich erwartet hatte. Hier ist er – so wie ich ihn gegangen bin.

Schritt 1: Das Paket wählen

Bei BoD – Books on Demand beginnt alles mit der Frage, welches Paket es sein soll. Und ja, es gibt ein kostenloses. Klingt verlockend – ist es aber nur auf den ersten Blick.

Das kostenlose Paket bedeutet: keine ISBN, kein Listing im Buchhandel, eingeschränkte Sichtbarkeit. Das Buch existiert zwar, aber kaum jemand wird es finden. Wer möchte, dass das eigene Buch in jeder Buchhandlung bestellbar ist – und damit meine ich wirklich jeder, vom kleinen Buchladen um die Ecke bis zu Online-Händlern – kommt um ein kostenpflichtiges Paket nicht herum.

Die Pakete unterscheiden sich in Preis, enthaltenen Leistungen und vor allem darin, was mit der ISBN passiert. Mein Rat: Lies die Paketbeschreibungen sorgfältig, bevor du dich entscheidest. Was inklusive ist und was nicht, macht am Ende einen spürbaren Unterschied – finanziell und in der Reichweite.

Schritt 2: Das Buch konfigurieren

Sobald das Paket steht, geht es ans Eingemachte. Und hier wird es überraschend detailliert.

Basisinfos: Titel, Untertitel, Autor, Kurzbeschreibung. Das ist noch der einfache Teil.

Dann kommt die Ausstattung: Wie viele Seiten hat das Buch? Welches Format? Welche Papierqualität? Welche Bindung, welche Laminierung des Covers? Wie viele Seiten im Innenteil sind farbig – und wie viele schwarz-weiß? Denn jede farbige Seite kostet mehr im Druck, was sich direkt auf den Mindestverkaufspreis auswirkt.

Und dann: den Verkaufspreis festlegen. Das ist keine freie Entscheidung – BoD berechnet einen Mindestpreis auf Basis von Seitenzahl, Format und Ausstattung. Darunter kann man nicht gehen. Darüber schon, aber dann sinkt die Marge entsprechend.

Mein Tipp: Kalkuliere von Anfang an realistisch. Ein zu niedriger Preis klingt käuferfreundlich, kann aber bedeuten, dass du pro verkauftem Exemplar kaum etwas verdienst – oder sogar draufzahlst.

Schritt 3: Kategorien wählen – oder versuchen es zu tun

Hier hatte ich meinen ersten echten Frustmoment.

Wo gehört ein Mystery-Roman eigentlich rein? Bei BoD, in Buchshops, in Buchcommunities – Mystery ist keine eigenständige Kategorie. Man wählt sich irgendwie durch Krimi, Thriller, Fantasy, Literatur… und landet nirgendwo wirklich richtig.

Mein Buch ist damit wie ich: Es passt in keine Schublade.

Das ist einerseits frustrierend, weil Kategorien für die Auffindbarkeit wichtig sind. Andererseits ist es irgendwie auch passend. Wer ein Buch schreibt, das sich nicht einordnen lässt, sollte damit rechnen, dass auch das System damit seine Probleme hat.

Mein Rat: Überlege dir vor dem Upload, welche Kategorien am ehesten zu deinem Buch passen – auch wenn keine perfekt passt. Und schau, welche Kategorien ähnliche Bücher nutzen, die du kennst.

Schritt 4: Der Upload – und das Cover-Drama

Manuskript als PDF hochladen – das ist noch unkompliziert, solange die Datei sauber formatiert ist.

Das Cover ist eine andere Geschichte. Ich habe es komplett selbst gestaltet: erst von Hand gezeichnet, dann digital nachbearbeitet. Und dann begann das Hochladen.

Entweder stimmten die Maße nicht, oder die Auflösung war angeblich zu gering, oder Textelemente drohten abgeschnitten zu werden – obwohl sie auf meinem Bildschirm klar zu sehen waren. Mehrfaches Anpassen, neu exportieren, erneut versuchen.

Was ich daraus gelernt habe und jedem weitergeben möchte: Die Cover-Vorlage von BoD zuerst herunterladen, bevor man mit dem Design beginnt. Die Vorlage gibt die genauen Maße inklusive Beschnitt und Sicherheitsabstand vor – und die hängen von der Seitenzahl des Buches ab, weil sich damit die Rückenbreite ändert. Wer das Cover vorher ohne Vorlage gestaltet, darf es hinterher möglicherweise komplett neu aufbauen.

Außerdem: mindestens 300 dpi, Cover als PDF oder hochauflösende Bilddatei, Texte und wichtige Elemente mit ausreichend Abstand zum Rand.

Schritt 5: Bezahlen – und warten

Paket gewählt, Buch konfiguriert, Kategorien ausgewählt, Cover endlich akzeptiert. Dann kommt: bezahlen.

Und hier die ehrlichste Zahl dieses Artikels: Die Veröffentlichung bei BoD hat mich mehr gekostet als ein einzelnes Exemplar des fertigen Buches im Buchhandel kostet. Das ist keine Kritik an BoD – das ist die Realität des Self-Publishing. Die Kosten für Plattform, Paket und ISBN trägt die Autorin selbst. Kein Verlag, der das übernimmt.

Nach der Zahlung kommt eine automatische Bestätigung – und dann: warten.

Es dauerte Wochen, die sich anfühlten wie Jahre. Irgendwann kam mein Autorenexemplar. Was mich dabei überrascht hat: Ich musste es selbst kaufen. Zum Autorenrabatt, der minimal günstiger ist als der reguläre Preis – aber ein kostenloses Belegexemplar war das nicht. Ein Vorab-Druckexemplar zur Kontrolle vor der Veröffentlichung hätte sogar doppelt so viel gekostet.

Was danach kommt

Das Buch ist online. Es ist bestellbar. In jeder Buchhandlung.

Aber damit ist die Arbeit nicht vorbei – sie beginnt in gewisser Weise erst. Denn ein Buch, das niemand kennt, verkauft sich nicht von selbst. Marketing, Sichtbarkeit, Reichweite – das liegt beim Self-Publishing komplett in der eigenen Hand.

Wie das aussieht und was ich dabei gelernt habe, ist ein eigenes Thema – das schauen wir uns in einem der nächsten Artikel genauer an.

Hast du ein Manuskript in der Schublade – oder steckst du gerade mitten im Prozess? Schreib mir in die Kommentare, wo du stehst. Ich antworte wirklich. 🙂

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