(Werbung) Manchmal braucht es im Kinderbuchbereich einfach eine gehörige Portion Absurdität, um ein richtig unterhaltsames Abenteuer zu erschaffen. Das ist dem Autor Markus Orths mit seinem neuen Buch „King Karnickel – Die Suche nach dem Druftenschaf“ (erschienen am 11. Juni 2026 im Loewe Verlag) definitiv gelungen. Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks entdecken und habe mich gemeinsam mit dem ungleichen Duo auf eine Reise voller skurriler Ideen begeben. Ein Buch, das viel Spaß macht, bei dem ich als Autorin aber auch ein paar kritische Punkte im Bereich der Logik und der pädagogischen Verantwortung entdeckt habe, weshalb mein Gesamturteil letztlich recht durchwachsen ausfällt.
Das Buch
- Autor: Markus Orths
- Illustratorin: Sabine Dully
- Titel: King Karnickel – Die Suche nach dem Druftenschaf
- Erscheinungsdatum: 11. Juni 2026
- ISBN: 978-37432244568
- Verlag: Loewe Verlag

Worum geht es in „King Karnickel“?
Roderich ist ein Kaninchen und gleichzeitig der König eines Reichs, von dem er nicht einmal genau weiß, ob er überhaupt Untertanen hat. Gemeinsam mit seinem besten Freund Lothar, einem etwas einsamen Huhn, lebt er im Palast. Regiert wird hier getreu dem Motto „flotti karotti“, damit danach den ganzen Tag gespielt werden kann. Als jedoch die geheimnisvolle Anna Blume – eine im Thron wachsende Zauberblume, die aus unerklärlichen Gründen eine Pollenallergie gegen sich selbst zu haben scheint und ständig niest – zu verwelken droht, müssen die beiden den Palast verlassen. Die Blume benötigt dringend ein „Druftenschaf“. Also bricht das ungleiche Duo auf zu einer rasanten Suche nach Dingen, die es eigentlich gar nicht gibt.
Witzige Bilder, Katzenmomente und ein dicker Kritikpunkt
Was beim ersten Aufschlagen sofort begeistert, ist das gelungene Design. Die Karte am Anfang und Ende des Buches lädt zum Entdecken ein, und die Illustrationen von Sabine Dully sind wirklich witzig und absolut gelungen. Es macht großen Spaß, einfach nur durchzublättern und sich die Bilder anzusehen.
Der Einstieg in die Geschichte ist wunderbar skurril, wirft aber auch Fragen auf. Warum King Karnickel von seinen Vorgängern nie darüber unterrichtet wurde, ob er Untertanen hat, bleibt ein Rätsel. Auch wofür ein Kaninchen, das von Natur aus exzellent springen kann, eigentlich Trampolinschuhe braucht, erschließt sich mir logisch nicht ganz. Herzhaft lachen musste ich dagegen bei der Frühstücksszene, in der es darum geht, fünf Minuten ohne Essen am Tisch zu sitzen. Das Verhalten hätte eins zu eins von meinen eigenen Katzen stammen können!
Weniger schön fand ich das Einschleichen von Markennamen wie „Möhren-Nutella“. Eine einfache Möhrencreme oder ein Möhrenaufstrich hätten es hier auch getan (ein leckeres Rezept für eine vegane Möhrencreme findest du übrigens auf meinem Blog). Richtig geärgert hat mich jedoch, dass Huhn Lothar im Buch alles aus Leberwurst isst. Das birgt nicht nur extreme gesundheitliche Risiken für Hühnervögel, sondern ist in der Realität rechtlich sogar streng verboten. Natürlich handelt es sich um eine fiktive Geschichte, aber gerade Kinder neigen dazu, solche Dinge unbedacht in die reale Welt auf Tiere zu übertragen. Das hat man damals schon beim „Nemo-Effekt“ gesehen, als plötzlich jeder einen Clownfisch im Aquarium wollte. Hier hätte ich mir vom Autor etwas mehr Verantwortung gewünscht.
Wünsche mit Tücken und ein nächtlicher Aufbruch
Im zweiten und dritten Leseabschnitt nimmt die Geschichte ordentlich Fahrt auf. Die Hibbeligkeit der beiden Freunde vor der wichtigen Uhrzeit ist unheimlich greifbar und toll beschrieben. Ihre Wunsch-Experimente mit der Zauberblume sorgen für jede Menge Dynamik. Die Idee der „Zaubertibüx“ – einer Wunschhose, der man am Ende selbst alle Wünsche erfüllen muss – ist herrlich verdreht. Auch den Wasserkamin, in dem statt heißem Feuer erfrischende Wasserflammen lodern, fand ich genial. Den würde ich sofort für mein eigenes Zuhause adoptieren! Als die beiden feststellen, dass sie für die Rettung der Blume den Palast verlassen müssen, wird es psychologisch interessant: Die beiden waren noch nie draußen und haben regelrechte Angst vor dem Unbekannten. Eine sehr reale Thematik, aus der man in meinen Augen aber noch etwas mehr Tiefe hätte herausholen können.
Ein wenig unlogisch blieb für mich die Figur der hochnäsigen Krone Konstanzia. Sie ist extrem arrogant, lebt aber völlig alleine im Dunkeln. Zu ihrem Geltungsdrang hätte ein helles Scheinwerferlicht, in dem sie jeder bewundern kann, viel besser passions. Auch warum die Truppe, nachdem sich das Besenwesen „Torkilo Zacka“ auf mysteriöse Weise vermehrt hat, ausgerechnet mitten in der Nacht aufbricht, leuchtet nicht ganz ein. Es eilt zwar, aber bei Tageslicht oder mit einem Transportmittel aus dem Palast wäre man sicher schneller gewesen.
Rasanter Showdown, Illustrationsfehler und Flachwitze
Der finale Abschnitt wird noch einmal richtig rasant und konfrontiert die Freunde mit allerlei Gefahren. Allerdings stolpert die Logik auch hier: Die Schlawine hat ausgerechnet Angst vor einem Kissen? Eigentlich müsste es doch umgekehrt sein, da das Kissen unter ihr begraben oder nass werden könnte. Zudem passt hier die Illustration nicht zum Text: Während im Text von „langen blauen Haaren“ die Rede ist, fehlt davon auf dem Bild jede Spur – ein klassischer Fehler, der im Lektorat hätte auffallen müssen.
Einige der Wortspiele driften für mich zudem leider in die Kategorie der billigen Flachwitze ab. Ein Begriff wie „Blubberkamm Heidi Klummi“ ist für jüngere Kinder weder nachvollziehbar noch besonders kreativ. Das Ende entschädigt dafür aber mit einer schönen Auflösung, denn meine anfängliche Vermutung hat sich bestätigt: Hinter dem geheimnisvollen „Druftenschaf“ verbirgt sich am Ende etwas ganz anderes, als man vermutet.
Mein Fazit: Für wen lohnt sich das Buch?
„King Karnickel – Die Suche nach dem Druftenschaf“ ist ein fantasievolles und toll illustriertes Kinderbuch voller verrückter Einfälle. Es eignet sich wunderbar zum gemeinsamen Vorlesen, krankt jedoch an zu vielen Logiklöchern, unnötigen Markennamen und vor allem an mangelnder Verantwortung bei der Darstellung der Tierhaltung. Weil hier leider etwas zu viel schiefgelaufen ist, reicht es trotz der tollen Optik für mich nicht für eine uneingeschränkte Empfehlung.