Warum ich manchmal meine Wärmflasche mehr liebe als Menschen.
Manchmal frage ich mich, warum ausgerechnet der November immer so eine Wucht mitbringt. Kaum ist er da, verändert sich alles: das Licht, mein Rhythmus, die Laune – als hätte jemand einen Grauschleier übers Leben gelegt und den Sound auf melancholisch gestellt. Und obwohl ich inzwischen weiß, dass dieser Monat sein ganz eigenes Drama veranstaltet, trifft er mich trotzdem jedes Jahr aufs Neue auf dem falschen Fuß.
Genau deshalb will ich diesmal festhalten, wie ich mit diesem grau-grauen Monatsmitbewohner umgehe – ganz ungeschminkt, ehrlich und ohne Instagram-Filter.
Wenn der November an die Tür klopft
Der kommt bei mir nicht leise. Nix mit „Oh hallo, darf ich kurz stören?“ – nee, der kracht rein wie ein ungebetener Besucher, der nach nassem Hund riecht und direkt aufs Sofa will. Er trägt graue Wolken, miese Laune und hat garantiert meine Lieblingsplaylist auf Repeat Sad Mode gestellt.
Und jedes Jahr denke ich: „Ach komm, dieses Mal wird’s bestimmt besser.“
Spoiler: Wird’s nicht. 😅
Ich merke es zuerst an mir selbst. Dieses merkwürdige Ziehen im Kopf, als würde mein Hirn sich in eine dicke Decke wickeln wollen. Alles fühlt sich ein bisschen verlangsamt an. Ich will mich verkriechen – aber gleichzeitig flüstert dieser kleine, fiese Leistungsdruck: „Du solltest produktiv sein! Los, mach was!“
Tja. Classic November-Mindfuck.
Was mir wirklich hilft
Mein ganz eigenes Anti-November-Notfallprogramm startet nicht mit großen Vorsätzen. Kein „Jetzt wird alles anders“ – ich bin schließlich nicht in einem amerikanischen Feelgood-Weihnachtsfilm. Es sind die kleinen Dinge, die zählen. Die, die sich anfühlen wie eine Wärmflasche auf der Seele. 🫶
Ganz oft beginnt es mit meinen Mädels:
Minou, die Meisterin der unpassenden Kuschelzeiten. Immer genau dann auf meinem Schoß, wenn ich gerade aufstehen wollte. (Und natürlich bleib ich dann sitzen. Ich bin ja kein Monster.)
Und Aronia – Drama-Queen, Chaoskatze, Schnurrmaschine mit eingebautem Antrieb. Wenn die ihre fünf Minuten hat, wird selbst der trübste Tag zumindest nicht langweilig.
Die zwei erinnern mich daran, was gerade zählt: Jetzt. Hier. Ich.
Ohne Plan. Ohne Deadline. Einfach sein.
Und wenn ich dann irgendwann im Atelier stehe, mit bunten Fingern und Glitzer im Gesicht (ungewollt, natürlich 😅), dann spür ich es wieder:
Ich bin nicht der graue Tag. Ich bin das, was ich daraus mache.
Ob ich ein Glas bemale, eine Kerze gieße oder Holz bearbeite – sobald ich mit den Händen arbeite, wird’s leiser im Kopf. Draußen kann der Wind toben, aber drinnen? Da ist ein kleines Lagerfeuer aus Farben und Ideen.
Auch Rückzug ist erlaubt
Manche Tage bin ich trotzdem einfach nur:
Mit Wärmflasche. Mit Tee. Mit einem Buch, das nicht schreit „Lies mich jetzt!“, sondern flüstert: „Du darfst auch einfach nur blättern.“ Und weißt du was? Das ist okay. Rückzug ist kein Aufgeben. Es ist Selbstschutz. Und Selbstfürsorge. 💛
Manchmal zieh ich mir die dicke Jacke über und stapfe durch O-Town, dahin, wo die Hammeniederung im Nebel liegt. Da fühlt sich selbst das Grau irgendwie warm an. Und ich steh dann da, atme tief durch, und die Welt flüstert: „Mach langsam. Ich hetz dich nicht.“
Was der November mir beibringt
Früher hab ich versucht, gegen den November anzukämpfen. Heute?
Heute nehm ich ihn in den Arm. (Also… metaphorisch. Ich bin nicht verrückt. Noch nicht. 😅)
Er zeigt mir, wo ich langsamer machen darf. Wo ich Farbe brauche. Wo Wärme fehlt – und wo ich sie mir holen kann. Und manchmal bringt er mir sogar Ideen mit. So ganz leise, heimlich, fast wie kleine Glühwürmchen in einem Karton voll Nebel.
Das ist vielleicht sein Zauber:
Er macht mich ehrlicher mit mir selbst. Und genau deshalb finde ich in ihm oft die buntesten Gedanken.
Und du so?
Wie überstehst du den November? Team „Decke über’n Kopp“ oder eher „Kerzen, Katzen, Kakao“?
Hast du auch so kleine Rituale gegen das Grau?
Erzähl’s mir gern. Ich freu mich auf deine Zeilen. 💌
Und hey: Wenn du heute nur Tee trinkst und aus dem Fenster guckst, ist das auch völlig okay.
Licht findet immer einen Weg – auch durch Novemberwolken. 🌫️🕯️🐾