Migräne und Sport: Geht das überhaupt?

Ich bin schon k.o., wenn ich einem Jogger beim Laufen zusehe.

Das ist keine Übertreibung. Das ist meine ehrliche Beziehung zu Sport – oder besser gesagt: die Beziehung, die ich jahrelang zu Sport hatte.

Und dann kam die Reha.

Frühsport bei -17°C – eine Liebesgeschichte mit schlechtem Anfang

Es war Winter. Unterfranken. Schnee. Minus siebzehn Grad Celsius.

Und ich sollte – laut Reha-Plan – jeden Tag Sport machen. Nicht irgendwann. Vor dem Frühstück. Draußen.

Ich. Vor dem Frühstück. Draußen. Bei minus siebzehn Grad.

Die Reha war eigentlich wegen Depressionen, nicht wegen Migräne. Aber sportbasiert. Täglich. Sechs Wochen lang. Für jemanden wie mich, der bei der bloßen Vorstellung von Joggen innerlich die weiße Flagge hisst, klang das nach einem sehr elaborierten Folterprogramm.

Es gab Walking. Wassergymnastik – obwohl ich nicht schwimmen kann, was der Ärztin, die mich da eingeschrieben hatte, offenbar völlig egal war. Ergometer, täglich, selbstständig. Rückengymnastik mehrmals die Woche.

Und dann – aus purer Langeweile, weil ich dachte, es kann ja nicht schlimmer werden – bin ich noch wandern gegangen. Zehn Kilometer. Habe zum ersten Mal in meinem Leben gekegelt. Und indianische Stammestänze gemacht.

Indianische Stammestänze.

Ich sage nur: Es hat Spaß gemacht. Mehr, als ich je erwartet hätte. Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte.

Was Migräne mit Sport zu tun hat – und warum es kompliziert ist

Hinweis vorab: Ich bin keine Ärztin. Was ich hier teile, sind persönliche Erfahrungen aus Patientinnenperspektive – kein Therapieplan, kein Versprechen. Bitte sprich Änderungen in deiner Bewegungsroutine immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Migräne und Sport haben eine komplizierte Beziehung.

Einerseits gilt Ausdauer- und Kraftsport als empfehlenswert für Migränikerinnen – regelmäßige moderate Bewegung kann die Anfallshäufigkeit langfristig reduzieren. Andererseits ist jedes Quäntchen Überanstrengung ein potenzieller Auslöser. Zu viel Sonne. Zu große Anstrengung. Zu wenig Pause danach. Ich brauche nicht lange suchen – wenn ich es übertreibe, habe ich am nächsten Tag mit großer Wahrscheinlichkeit Migräne. Da reicht manchmal schon eine Fahrradtour in der Sonne.

Das bedeutet: Es geht nicht darum, möglichst viel zu trainieren. Es geht darum, die richtige Art von Bewegung für den eigenen Körper zu finden.

Was bei mir funktioniert – und warum

Nach der Reha und einigen Jahren des Ausprobierens habe ich drei Formen von Bewegung gefunden, die mir passen. Nicht weil sie besonders effektiv klingen, sondern weil sie zu mir und meiner Migräne passen.

  • Walking ist mein Favorit. Eigentlich bin ich gerne in der Natur – Spazierengehen, frische Luft, kein Zeitdruck. Gerne würde ich joggen, aber eine Ärztin hat mir mal gesagt, dass nicht jede Sportart für jeden Menschen gut ist. Walking gibt mir das Gefühl von Bewegung, ohne dass ich mich komplett auspowere. Genau das ist der Punkt: Moderate Belastung, die den Körper fordert, ohne ihn zu provozieren.
  • Geräterudern – weil Migränikerinnen Ausdauer- und Kraftsport machen sollen, und Rudern beides kombiniert. Es ist außerdem gut für den Rücken, was bei jemandem, der viel sitzt und schreibt, kein unwichtiger Nebeneffekt ist. Ich habe Ron irgendwann davon überzeugt, und er hat mir das Rudergerät zum Geburtstag geschenkt. Wir nutzen es beide. Manchmal. Irgendwo unter der dicken Staubschicht ist es noch.
  • Yoga – aber nicht zum Entspannen, das möchte ich ausdrücklich klarstellen. Yoga entspannt mich nicht. Yoga lockert mich. Das ist ein Unterschied. Meine Ärztin hat mir geraten, nur leichte Übungen ohne professionelle Anleitung zu machen – und explizit keine Übungen auf dem Kopf. Als ob ich das täte. Ernsthaft.

Zum Entspannen nutze ich etwas ganz anderes: den Podcast „Knallhart Entspannt“ bei ARD Audiothek. Humorvoll, lehrreich, und wenn man sich wirklich drauf einlässt, sind es eher Gedankenreisen als klassische Meditationen. Für mich genial – weil ich bei normalen Entspannungsübungen einschlafe oder anfange, Einkaufslisten im Kopf zu schreiben.

Was ich daraus mitgenommen habe

Bewegung bei Migräne ist kein Widerspruch. Aber sie braucht Maß, Selbstkenntnis und die Bereitschaft, auf den eigenen Körper zu hören – nicht auf Trainingspläne, die für Menschen ohne neurologische Erkrankung gemacht wurden.

Ein paar Dinge, die ich gelernt habe:

Moderate Dauerbewegung ist besser als intensive Einheiten. Lieber drei Mal die Woche 30 Minuten Walking als einmal die Woche eine Stunde volles Programm und dann zwei Tage flach.

Überanstrengung rächt sich. Immer. Meistens am nächsten Tag, manchmal noch am selben Abend. Das ist kein Versagen – das ist Information.

Nicht jede Sportart passt zu jedem Menschen. Eine Ärztin, die das ausspricht, ist eine gute Ärztin. Hör auf solche Stimmen.

Und manchmal hilft es, einfach anzufangen – auch wenn es -17°C sind, auch wenn man nicht schwimmen kann, auch wenn man noch nie in seinem Leben gekegelt hat.

Stammestänze inklusive.

Wie hältst du es mit Bewegung und Migräne? Hast du eine Sportart gefunden, die für dich funktioniert – oder kämpfst du noch? Schreib es in die Kommentare. 🙂

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