Gründen statt Grübeln: Ein gut gemeinter Ratgeber, der an der Praxis scheitert

(Werbung) Wenn man ein Buch über den Sprung in die Selbstständigkeit in die Hand nimmt, erwartet man praxistaugliche Tipps, die einen gerade am Anfang vor teuren Fehlern bewahren. Ich habe das Buch „Gründen statt Grübeln“ von Mona Wiezoreck erst gelesen, nachdem ich nun schon seit eineinhalb Jahren selbstständig bin – ich habe also den direkten Vergleich zwischen der Theorie im Buch und meiner eigenen, täglichen Vorerfahrung. Der Schreibstil ist zwar einigermaßen locker, sodass man gut durch die Seiten kommt, aber inhaltlich hat mich dieser Ratgeber leider an vielen Stellen fassungslos und mit einem großen Fragezeichen zurückgelassen. Für Gründerinnen und Gründer halte ich manche Ratschläge sogar für regelrecht gefährlich.

Das Buch

  • Autorin: Mona Wiezoreck
  • Titel: Gründen statt Grübeln: Der Leitfaden für angehende Gründer – Zweifel überwinden, Business starten und erfolgreich selbstständig werden
  • Erscheinungsdatum: 23. Juni 2026
  • ISBN: 979-8894740799
  • Verlag: Remote Verlag
Das Buch „Gründen statt Grübeln“ von Mona Wiezoreck lehnt an einem großen, hellen Plüschbären mit rotem Pullover. Der Bär sitzt auf einer blau-gemusterten runden Schachtel vor einer weißen Wand.
Theorie trifft Praxis: Wer sich trotz der kritischen Punkte selbst ein Bild vom Ratgeber machen möchte, findet das Buch direkt beim sozialen Buchhandel Buch 7 (*Affiliate-Link). Mit jedem Einkauf dort tust du gleichzeitig etwas Gutes für soziale Projekte! 🌍✨

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Worum geht es in „Gründen statt Grübeln“?

Das Buch versteht sich als klassischer Einstiegsratgeber für Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen. Es soll Mut machen, Ängste abbauen und führt durch verschiedene Stationen der Gründung – von der ersten Idee über das Marketing bis hin zu rechtlichen Fallstricken wie der Scheinselbstständigkeit. Ergänzt wird das Ganze durch freie Seiten, die von der Autorin etwas schwülstig als „Raum für deine Gedankenjuwelen“ betitelt werden, in denen man eigene Notizen festhalten kann.

Meine ehrliche Meinung: Teure Ratschläge und realitätsferne Tipps

Um mit etwas Positivem anzufangen: Die Autorin weist völlig zu Recht darauf hin, dass man selbst bei einem reinen Online-Angebot auch offline Werbemaßnahmen ergreifen sollte. Das ist ein solider Ansatz. Doch direkt danach driftet das Buch in Vorschläge ab, die mich den Kopf schütteln lassen. Da wird empfohlen, sich auf Messen zu stellen und Reden zu halten. Aus meiner früheren Praxiserfahrung im Angestelltenverhältnis weiß ich genau: Solche Messeauftritte kosten Unmengen an Geld. Im besten Fall nimmt man ein bisschen Networking mit, aber das ist ein verdammt teures Pflaster.

Noch schlimmer ist der Tipp, direkt zu Beginn Anzeigen wie Google Ads zu schalten. Wer das ohne richtig, richtig viel Budget und ohne tiefgehendes Expertenwissen macht, verbrennt sein Kapital quasi im Sekundentakt. Das ist von der Autorin einfach nicht zu Ende gedacht. Ähnlich verhält es sich mit dem Ratschlag, sich sofort einen Coach zu suchen. Ein guter Coach kostet viel Geld – Geld, das man in der Startphase schlichtweg nicht hat. Den Anfang muss man erst mal alleine machen, und es gibt da draußen glücklicherweise jede Menge kostenlose, behördliche und offizielle Anlaufstellen, die man ohne einen Cent zu bezahlen um Rat fragen kann.

Die Verteufelung von KI und gefährliches Halbwissen

Ein Punkt, der mir besonders sauer aufgestoßen ist, ist die fast schon dogmatische Verteufelung von Künstlicher Intelligenz. Als Autorin sehe ich die Flut an grottenschlechten, rein KI-generierten Büchern, die den Markt überschwemmen, selbst extrem kritisch. Aber KI deswegen komplett zu verdammen, zeigt nur, dass sich die Autorin nicht im Ansatz mit den heutigen Realitäten moderner Workflows auseinandergesetzt hat.

Auch ich nutze KI – nicht zum Schreiben meiner Bücher, sondern als genialen Sparringspartner. Wenn man als Soloselbstständige mal feststeckt und niemanden zum Reden hat, kann man wunderbar Gedanken laut aussprechen und sie danach sortiert schwarz auf weiß lesen. KI ist eine hervorragende Suchmaschine, hilft beim Strukturieren, beim Brainstormen und – was mir im Business ungemein geholfen hat – beim Entwirren von trockenem Behördenjargon. Ein zeitgemäßer Gründerinnen-Ratgeber darf davor nicht die Augen verschließen.

Richtig grenzwertig wird es dann auf Seite 82 im Kapitel zur Scheinselbstständigkeit. Die Definition an sich ist korrekt: Wer auf Rechnung arbeitet, aber wie ein Angestellter weisungsgebunden agiert, rutscht in die Scheinselbstständigkeit. Die darauffolgende Aufschlüsselung im Buch ist jedoch völlig verwirrend. Die Autorin behauptet dort unter anderem, man sei gefährdet, wenn man für den Markt „unsichtbar“ bleibt – also keine eigene Webseite hat oder keine aktive Akquise betreibt. Das ist schlichtweg falsch und erzeugt unbegründete Panik. Ja, das Kriterium, nur einen einzigen Kunden zu haben, ist ein Warnsignal. Aber eine eigene Webseite ist gesetzlich überhaupt nicht vorgeschrieben! Ich kenne erfolgreiche Selbstständige, die hervorragend ohne eigene Homepage auskommen. Solches Halbwissen in einem Ratgeber ist brandgefährlich.

Mein Fazit: Für wen lohnt sich das Buch?

Würde ich dieses Buch Menschen empfehlen, die sich selbstständig machen wollen? Ein klares Nein. Die knapp 25 Euro für dieses Werk sind meiner Meinung nach absolut fehlinvestiert. Nutzt dieses Geld am Anfang lieber, um es direkt in euer Eigenkapital zu stecken – dort ist es wesentlich besser aufgehoben. Wegen der teuren Fehlinformationen, dem praxisfernen Marketing-Aberglauben und der rückschrittlichen Haltung zu modernen Tools kann ich hier leider keine Empfehlung aussprechen.

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