(Werbung) Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine große Schwäche für liebevoll gestaltete Kinderbücher habe. Als sich mir die Gelegenheit bot, im Rahmen einer Leserunde das Buch „Tilda fühlt viel“ von Sanna-Sofia Vuori kennenzulernen, habe ich mich riesig gefreut. Das Thema Hochsensibilität und der Umgang mit großen, überwältigenden Emotionen bei Kindern ist schließlich ein absoluter Herzensöffner und unheimlich wichtig. Die Geschichte rund um die verschiedenen „Gefühlstiere“ hat mich auf eine bunte Reise mitgenommen, bei der ich viel gelacht, geschmunzelt, aber auch die eine oder andere kritische Entdeckung gemacht habe.
Das Buch
- Autorin: Sanna-Sofia Vuori
- Illustrationen: Linda Bondestam
- Titel: Tilda fühlt viel
- Erscheinungsdatum: 10. Juli 2026
- ISBN: 978-3751209267
- Verlag: Dressler Verlag

Worum geht es in „Tilda fühlt viel“?
In diesem Buch geht es um Tilda und die riesige Welt der Gefühle. Manchmal sind diese Emotionen so stark, dass sie sich anfühlen wie wilde Tiere: Ein lauter, wilder Tiger im Bauch, ein empfindliches Stachelschwein oder ein wuseliges Einhorn. Das Buch fängt in verschiedenen Alltagsgeschichten ein, wie Tilda und ihre Freunde in der Kita mit diesen intensiven Gefühlsausbrüchen umgehen, wie sie sie verstehen lernen und wie wichtig es ist, dass jedes dieser Gefühle seinen berechtigten Platz hat.
Meine ehrliche Meinung: Wuselig schön mit viel Herz
Schon beim ersten Blick auf das Cover war ich verzaubert. Ich mag es einfach, wenn eine Gestaltung schön bunt und ein bisschen wuselig und unsortiert ist – es gibt direkt so viel zu gucken! Besonders das kleine Einhorn mit dem Verband auf dem Kopf hat sofort mein Herz erwärmt. Ein winziger Wermutstropfen auf der Vorderseite ist für mich, dass dort nur die Einhörner zu sehen sind. Da es in den Geschichten ja um drei verschiedene Gefühlstiere geht, hätte ich mir gewünscht, dass alle drei den Sprung auf das vordere Cover schaffen (auf der Rückseite sind sie zum Glück vereint).
Die Illustrationen im Innenteil sind einfach klasse. Sie sind herrlich farbenfroh und warmherzig gestaltet. Es sind zwar nicht die komplexesten oder anspruchsvollsten Kunstwerke, aber sie sind unheimlich charmant. Beim genauen Hinsehen gibt es auf den Seiten richtig viel zu entdecken – hier liegt mal ein vergessener Stiefel, dort fliegt ein kleiner Papierflieger durchs Bild. Das lädt wunderbar zum gemeinsamen Entdecken beim Vorlesen ein.
Gefühlsmäßig hat mich die Geschichte der Stachelschweine am meisten abgeholt. In dieses Tier konnte ich mich eins zu eins hineinversetzen! Das Stachelschwein und ich, wir kennen uns nämlich schon sehr lange. Wer wie ich Pläne liebt und völlig überfordert ist, wenn plötzlich alles durcheinandergewürfelt wird und scheinbar schiefgeht, der findet sich in diesem kleinen, stacheligen Gefühlsausbruch komplett wieder. Das ist so authentisch und nah am kindlichen Alltag beschrieben!
Ein genauerer Blick auf den Text (und wo ich gestolpert bin)
Der Schreibstil ist generell leicht, umgänglich und wunderbar flüssig zu lesen. Dennoch gab es zwei Szenen, bei denen ich beim Lesen ehrlich gesagt ein wenig gestolpert bin. In einer Szene rutscht Tilda in einer Pfütze aus – weil sich ganz unten in der Pfütze noch Eis befunden haben soll. Das fand ich physikalisch doch ein bisschen kurios und merkwürdig zu lesen.
Der zweite Stolperstein betrifft eine Szene in der Kita, in der der Erzieher Tilda einfach auf den Schoß nimmt. Da musste ich kurz schlucken. Ein solches Verhalten bezüglich Nähe und Distanz wurde schon zu meiner Zeit kritisch gesehen, und in der heutigen modernen Pädagogik ist das Bewusstsein für die körperlichen Grenzen von Kindern zum Glück noch viel sensibler geworden. Das wirkte auf mich einfach nicht mehr ganz zeitgemäß.
Auch inhaltlich hätte ich mir an einer Stelle einen Hauch mehr Tiefe gewünscht: In der Geschichte „Tilda und die Tiger im Bauch“ führt ein Missverständnis um ein falsch geschmiertes Brot dazu, dass sich Tildas Eltern streiten. Tilda plagt den ganzen Tag über ein riesiges, schlechtes Gewissen, weil sie denkt, sie sei schuld am Streit der Eltern. Jedes Kind (und auch viele Erwachsene) kennt diese quälende Verlustangst. Am Ende vertragen sich die Eltern ganz schnell und alles ist wieder gut. Das ist mir fast ein bisschen zu einfach und glattgebügelt gelöst. In der Realität ist das Brot ja meistens nur der Auslöser, nicht die Ursache für einen Beziehungsstreit – hier hätten sich die Eltern für meinen Geschmack ein bisschen realistischer aussprechen dürfen.
Wenn ich mir von der Autorin übrigens noch eine weitere Gefühlsgeschichte wünschen dürfte, wäre das ganz klar das Thema Trauer. Den Verlust eines geliebten Haustiers oder eines Menschen in diesem charmanten, feinfühligen Stil aufzugreifen, wäre eine enorme Bereicherung für jedes Kinderzimmer.
Mein Fazit: Für wen lohnt sich das Buch?
„Tilda fühlt viel“ ist ein herrlich buntes, herzliches und wichtiges Buch über die ganz großen Gefühle im kleinen Alltag. Es eignet sich perfekt für Kinder ab dem Kindergartenalter, um gemeinsam ins Gespräch über Wut, Enttäuschung und sensible Momente zu kommen. Trotz kleinerer logischer und pädagogischer Stolpersteine im Text fliegt man durch die wunderbaren Illustrationen nur so durch die Seiten.