Der perfekte Schreibplatz: Wo Kreativität bei mir wohnt

Alle Kunstschaffenden kennen die Frage: Wo arbeitest du eigentlich? Und meistens steckt dahinter eine tiefere Frage – nämlich wie ein Ort aussehen muss, damit Ideen entstehen, Texte fließen und man wirklich ankommen kann. Ich zeige dir heute meinen Schreibplatz. Nicht als Inspiration für ein perfektes Interior-Foto, sondern so wie er wirklich ist: gelebt, gewollt und mit einer sehr klaren Regel entstanden.

Eine Regel, die alles verändert hat

Vor zwei Jahren habe ich das ehemalige Kinderzimmer meines Mannes im zweiten Stock bezogen. Drei Zimmer dort oben gehören mir seitdem: Atelier, Büro, Lager. Was vorher ein geteiltes Arbeitszimmer war – Ron wippt mit den Beinen, ich versuche zu konzentrieren, beide scheitern – ist jetzt klar aufgeteilt. Er hat seine Männerhöhle. Ich habe mein Reich.

Beim Einrichten hatte ich von Anfang an eine einzige Regel: Es kommt nur rein, was mich glücklich macht. Alles andere bleibt draußen.

Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Wie viele Räume füllen wir mit Dingen, die praktisch sind, die wir irgendwann gekauft haben oder die einfach keinen anderen Platz gefunden haben? Mein Büro ist der erste Raum in meinem Leben, in dem ich das konsequent anders gemacht habe.

Das Regal – eine Biografie in Holz

Das Herzstück meines Büros ist ein helles Holzregal, das ich vom Schreibtisch aus immer im Blick habe.

Darin steht ein Hochzeitsfoto von Ron und mir – aber kein gewöhnliches. Ich habe Aronia und Minou auf unsere Schultern gebastelt, weil sie natürlich dazugehören. Der Rahmen ist selbst gemacht: aus CD-Splittern, so zusammengesetzt, dass sie das Kerzen- oder Sonnenlicht brechen und das Foto zum Leuchten bringen. Jedes Mal, wenn das Licht passt, ist es ein kleiner Moment.

Im Fach darüber stehen alle Printexemplare der Bücher und Anthologien, in denen ich veröffentlicht habe. Nicht als Dekoration – als Beweis. Dafür, dass die Arbeit real ist, dass die Texte existieren, dass sie irgendwo auf der Welt in einem Regal stehen, nicht nur auf meiner Festplatte liegen.

Und daran hängt meine Marburg-Award-Medaille.

Die zwei Grünpflanzen, die das Regal einrahmen, sind übrigens ein kleines Wunder. Ich bringe Pflanzen normalerweise zum Sterben mit – zu viel Fürsorge oder zu viel Vergessen, beides endet gleich. In diesem Raum explodieren sie geradezu vor Lebensfreude. Vielleicht liegt es an der Regel.

Licht, das ich mir als Kind gewünscht hätte

Mein Schreibtisch steht so zum Fenster, dass das Tageslicht von der Seite einfällt – ideal zum Arbeiten, kein Gegenlicht, keine blendende Fläche. Eine Tageslichtschreibtischlampe ergänzt das an grauen Tagen.

Aber die beiden Lampen, die mir am meisten bedeuten, hängen an Decke und Wand.

Eine Sonnenlampe an der Decke. Eine Mondlampe neben dem Papasan. Ja, beides sind Kinderlampen. Ich habe sie gebraucht gekauft – und ich schäme mich kein bisschen dafür. Als Kind habe ich mir beides gewünscht und nie bekommen. Jetzt habe ich sie. Das Büro ist auch ein Ort, an dem ich mir erlaube, das nachzuholen.

Der Papasan – ein Kindheitstraum auf Fell

In der Chillecke steht ein Papasan auf einem beigefarbenen Flauschteppich, dazu ein Yogakissen. Ich wollte diesen Sessel schon als Kind. Im letzten Jahr habe ich ihn mir endlich gegönnt.

Die Katzen sind der Meinung, er gehört ihnen. Sie liegen öfter drin als ich. Ich scheuch sie nicht runter – warum auch? Ein Papasan mit Katze ist gemütlicher als einer ohne.

An der Dachschräge, auf die ich von dort blicke, habe ich Fäden gespannt, daran hängen ATCs, Postkarten, Fotos und Motivationsbotschaften – bunt, persönlich, wachsend. Manchmal liege ich nach dem Yoga oder der Meditation auf dem Teppich und schaue einfach hin. Das reicht manchmal völlig.

Der Blick, der alles ruhig macht

Wenn ich den Kopf vom Bildschirm wende, sehe ich durch ein altes Holzfenster ins Grüne. Über das Dach eines alten Schuppens blicke ich auf die Bäume im Garten, dahinter auf eine Weide, auf der die Pferde unserer Nachbarn stehen. Ab und an landet eine Taube oder Elster auf dem Dach, manchmal eine Blaumeise am alten Schornstein.

Das alte Holzfenster hat einen Nachteil: Bei Regen oder starkem Wind kriecht die Feuchtigkeit rein. Es wird ungemütlich. Aber trotzdem – ich mag es hier. Es ist ruhig. Wenn es klingelt oder das Telefon läutet, bin ich bis ich unten wäre sowieso zu spät. Also ignoriere ich es einfach. Allein die Tatsache, dass ich das kann, entspannt mich.

Was einen Schreibplatz wirklich ausmacht

Ich glaube nicht, dass es den einen perfekten Schreibplatz gibt. Was ich glaube: Ein guter Schreibplatz ist einer, der dir das Gefühl gibt, ankommen zu dürfen. Nicht performen. Nicht funktionieren. Ankommen.

Bei mir sind das ein Regal voller Erinnerungen, Lampen aus der Kindheit, eine Katze im Sessel und der Blick auf Pferde und Blaumeisen.

Und die Gewissheit, dass hier nur Dinge sind, die mich glücklich machen.

Wie sieht dein Schreibplatz oder Kreativraum aus? Hast du einen festen Ort – oder arbeitest du überall? Ich bin neugierig. 🙂

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