Self-Publishing vs. Verlag: Meine ehrliche Bilanz als Autorin

Es gibt einen Moment, den ich nicht vergessen werde.

Ich stand in einer Buchhandlung in Osterholz-Scharmbeck, das Gesicht noch halb taub vom Zahnarzt, die Laune irgendwo zwischen „Ich will nur nach Hause“ und „Bitte nicht ansprechen“. Meine Schwiegermutter hatte mich mitgezogen – sie wollte mein Buch bestellen.

Die Buchhändlerin tippte in ihren Computer. Schaute auf den Bildschirm. Und sagte ruhig: „Von einer Roswitha Böhm.“

Meine Schwiegermutter zeigte auf mich. „Ja. Die steht neben mir.“

Kurze Stille. Dann ein ehrliches Lächeln. Und dann dieser Satz: „Ach – für das Buch habe ich sogar schon eine Bestellung.“

Zack. Herzklopfen statt Zahnschmerz.

Jemand hatte mein Buch bestellt. Nicht weil er mich kennt. Nicht als Gefallen. Sondern weil er es lesen wollte.

Was ich in diesem Moment noch nicht wusste: Im Portal von BoD hatte ich bereits Exemplare verkauft, bevor meine Schwiegermutter überhaupt in dieser Buchhandlung stand. Echte Menschen, vollständig fremd, hatten mein Buch gefunden und gekauft. Ohne dass ich ihnen je davon erzählt hatte.

Das ist der Moment, in dem Self-Publishing aufhört, eine Notlösung zu sein – und anfängt, eine echte Entscheidung zu sein.

Warum ich mich für den Selbstverlag entschieden habe

Ich schreibe seit meiner Kindheit. Veröffentlicht habe ich in Anthologien bei verschiedenen Verlagen – von Papierfresserchen über den Noel Verlag bis zum Frankfurter Literaturverlag. Den Weg kenne ich: Einreichen, warten, hoffen, manchmal gewinnen, manchmal nicht.

Für meinen ersten Roman „Das stille Vermächtnis“ wollte ich etwas anderes. Ich wollte Kontrolle. Über den Text, über das Timing, über das Cover – über alles.

Das Cover habe ich komplett selbst gestaltet: erst von Hand gezeichnet, dann digital nachbearbeitet. Kein fremdes Design, kein Kompromiss. Das ist mein Buch, von der ersten Zeile bis zur letzten Seite des Umschlags.

Bei einem traditionellen Verlag wäre das nicht möglich gewesen. Verlage haben Lektorat, Grafiker, Marketing-Teams – und damit auch eigene Vorstellungen. Das ist nicht grundsätzlich schlecht. Aber es ist eben nicht dasselbe.

Self-Publishing: Was wirklich dahintersteckt

Selbst zu veröffentlichen klingt einfach. Datei hochladen, Preis festlegen, fertig. Die Realität ist etwas… nuancierter.

Die Plattform

Ich habe über BoD – Books on Demand veröffentlicht. Das Buch ist dadurch überall im Buchhandel bestellbar, hat eine eigene ISBN und ist sowohl als Paperback als auch als E-Book erhältlich. Das ist der große Vorteil gegenüber reinen E-Book-Plattformen: Das Buch existiert physisch in der Welt. In jeder Buchhandlung. Auch in der in Osterholz-Scharmbeck.

Das Cover-Drama

Was mir vorher niemand gesagt hat: Der Upload des Covers ist eine Geduldsprobe.

Entweder stimmten die Maße nicht, oder die Auflösung war angeblich zu gering, oder Texte wurden abgeschnitten – obwohl sie auf meinem Bildschirm klar zu sehen waren. Ich habe das Cover mehrfach angepasst, neu exportiert, erneut hochgeladen. Bis es endlich passte.

Was du konkret wissen solltest, bevor du anfängst: Das Cover muss als PDF oder hochauflösende Bilddatei angeliefert werden, in der Regel mit mindestens 300 dpi. Die Maße hängen von der Seitenzahl ab – je dicker das Buch, desto breiter der Rücken, desto größer die Gesamtdatei. Randabfall (Beschnitt) muss einkalkuliert werden, damit kein Text oder wichtiges Element zu nah an den Rand gerät. Die genauen Vorgaben liefert BoD als Vorlage – aber die muss man sich erst holen und verstehen.

Mein wichtigster Tipp: Lade dir die Vorlage herunter, bevor du das Cover designst – nicht danach.

Die ISBN-Frage

Eine ISBN ist die internationale Buchnummer, ohne die ein Buch im Buchhandel nicht existiert. Und sie kostet Geld – mehr, als viele ahnen.

Bei BoD ist eine ISBN im Paket enthalten, was praktisch ist. Wer dagegen auf eigene Faust eine ISBN bei der Deutschen Nationalbibliothek beantragen möchte, stößt auf eine Überraschung: Einzelne ISBNs sind unverhältnismäßig teuer. Wirklich günstiger wird es erst, wenn man einen Block von zehn oder mehr kauft – was für eine Erstveröffentlichung kaum sinnvoll ist.

Mein Rat: Schau dir genau an, welches Paket welche ISBN-Regelung enthält, und rechne das in deine Gesamtkosten ein, bevor du dich entscheidest.

Kosten im Überblick

Self-Publishing bedeutet: Du trägst alle Kosten selbst. Das umfasst je nach Plattform und Paket die Veröffentlichungsgebühr, das Drucken von Belegexemplaren, eventuelle Lektoratskosten, Marketingkosten und die ISBN, falls nicht inklusive.

Im Gegenzug bekommst du eine deutlich höhere Marge pro verkauftem Exemplar als bei einem klassischen Verlag – und volle Kontrolle über alles.

Der traditionelle Weg: Anthologien und was ich daraus gelernt habe

Ich kenne den Verlagsweg aus der Perspektive von Kurzgeschichten und Anthologien. Seit 2008 sind meine Texte in Verlagen erschienen – Gedichte, Kurzgeschichten, Flash Fiction, Prosa. Darunter der Frankfurter Literaturverlag, Papierfresserchen, der Noel Verlag, der Shadodex-Verlag und andere.

Was ich dabei gelernt habe:

  • Der Prozess ist langsam. Von der Einreichung bis zur Veröffentlichung können Monate vergehen. Das ist normal – und manchmal auch gut, weil der Text noch einmal durch ein fremdes Lektorat geht.
  • Die Kontrolle ist begrenzt. Titel, Cover, Reihenfolge der Beiträge, Erscheinungsdatum – das entscheidet der Verlag. Meistens funktioniert das, manchmal wünscht man sich mehr Mitsprache.
  • Auszeichnungen öffnen Türen. Meine Kurzgeschichte „Ewig verbunden“ wurde mit dem Marburg-Award ausgezeichnet. „Hoffnungsdunkelheit“ gewann 2025 den ersten Platz beim Schreibwettbewerb der Dark Sky Nord-Initiative. Das zeigt: Der Weg über Wettbewerbe und Anthologien ist eine echte Möglichkeit, als Autorin sichtbar zu werden – auch ohne eigenen Roman.

Self-Publishing vs. Verlag: Was passt wann?

Es gibt keine universelle Antwort. Aber es gibt eine ehrliche Einschätzung.

Self-Publishing lohnt sich, wenn du volle Kontrolle über dein Werk willst, bereit bist, Marketing und Vertrieb selbst in die Hand zu nehmen, einen Roman oder ein Sachbuch veröffentlichen möchtest, das nicht in ein gängiges Verlagsraster passt – und langfristig von deinem Buch profitieren möchtest.

Der Verlagsweg lohnt sich, wenn du von einem professionellen Lektorat und einem Verlagsnetzwerk profitieren möchtest, du Reichweite über etablierte Kanäle suchst, du mit Kurzgeschichten oder Lyrik anfängst und Anthologien als Einstieg nutzen willst – und du bereit bist, Kontrolle abzugeben, dafür aber auch Unterstützung zu bekommen.

Beides gleichzeitig geht. Ich veröffentliche sowohl im Selbstverlag als auch in Anthologien bei verschiedenen Verlagen. Das schließt sich nicht aus – im Gegenteil, es ergänzt sich wunderbar.

Was mir dieser Weg bedeutet

Ich werde nicht reich vom Schreiben. Das ist die ehrliche Wahrheit, die jede Autorin früher oder später lernt.

Aber ich stehe in einer Buchhandlung und höre meinen Namen. Ich sehe im Portal, dass Fremde mein Buch gekauft haben – bevor meine eigene Familie es bestellt hatte. Ich halte ein Buch in den Händen, dessen Cover ich selbst gezeichnet habe, von der ersten Bleistiftlinie bis zur fertigen Druckdatei.

Das ist es, wofür ich schreibe.

Und wenn du dich fragst, ob du es auch tun sollst: Tu es. Mit offenen Augen, realistischen Erwartungen und dem Wissen, dass der Weg mehr Arbeit bedeutet als gedacht. Aber auch mehr Freude.

Hast du Erfahrungen mit Self-Publishing oder dem Verlagsweg? Fragen, die dir noch niemand beantwortet hat? Schreib sie in die Kommentare – ich antworte wirklich. Persönlich, nicht per Algorithmus. 🙂

Schreibe einen Kommentar