Wie ich durch Urban Sketching meine Angst vor dem Menschenzeichnen verlor

Wie ich zufällig urban-sketching-süchtig wurde

(und warum ich plötzlich keine Angst mehr vor Menschen habe)

Ich war mir absolut sicher, dass ich keine Menschen zeichnen kann.
Nicht so ein kleines „Ach, das ist nicht meine Stärke“, sondern eher so ein
„Auf gar keinen Fall, vergiss es, next topic!“ 😅

Köpfe? Schwierig.
Hände? Eine mittlere Katastrophe.
Füße? Lass uns einfach nie wieder darüber sprechen.

Menschen waren für mich beim Zeichnen ein rotes Tuch. Also hab ich sie gemieden.
Lieber Bäume, Tiere, Gegenstände – alles, was stillhält.
Und keine Fragen nach Proportionen stellt. 😉

Doch manchmal stolpert man mitten rein – in ein kreatives Abenteuer, das man nicht hat kommen sehen.
Und so landete ich eines Tages in einem Urban-Sketching-Workshop.
Thema: Menschen in Bewegung.

Ich? Menschen? In Bewegung?!
Na, danke. 😬

Zwei Stunden Urban Sketching, die mehr verändert haben, als ich dachte

Allein der Titel hätte mir früher schon Schnappatmung beschert.
Aber diesmal dachte ich:
„Ach komm, Rosi. Einfach mal gucken. Vielleicht einfach nur dabeisitzen. Kaffee trinken. Atmen.“

Und dann kam die Überraschung.

Kein Gerede über perfekte Proportionen.
Keine Bleistift-Gesetze.
Keine Perspektivenpolizei.

Stattdessen: Linien. Haltungen. Augenblicke.
Und vor allem: Mut zum Unperfekten.

Nicht die Frage: „Wie sieht ein Mensch richtig aus?“
Sondern: „Wie bewegt er sich gerade?“

Und plötzlich – zack! 💥 – war er weg.
Der berühmte Knoten im Kopf.

Sketchen statt zerdenken – mein persönlicher Gamechanger

Ich sollte gar keine Menschen zeichnen.
Ich durfte sie einfach sketchen.

Schnell. Ungenau. Lebendig. Echt.

Auf einmal war da Platz.
Für Fehler. Für Freiheit. Für Spaß.

Meine alten Problemstellen – Hände, Füße, Köpfe – wurden nebensächlich.
Weil es nicht mehr ums Detail ging, sondern ums Ganze.
Nicht ums Richtigsein, sondern ums Wirkung haben.

Und genau da hat Urban Sketching bei mir voll eingeschlagen.

Mein Sketchbook: Ein kleines Wunderbuch

Ein paar Tage später habe ich durch mein Sketchbook geblättert
und mich selbst ein bisschen überrascht.

Da waren Menschen. 😲
Sitzend. Stehend. In Bewegung.

Keine Leonardo-da-Vinci-Kunstwerke –
aber eindeutig lebendig.
Und ganz klar: von mir.

Kein inneres Drama.
Kein „Oh Gott, was ist DAS denn?!“

Sondern eher ein erstauntes:
„Huch. Das hab ich gemacht? … Cool.“

Der mutigste Moment: Ron und ich

Und dann – Trommelwirbel – habe ich mich getraut, uns beide zu sketchen.
Okay, nach einem Foto.
Live wäre dann doch ein bisschen viel Drama auf einmal gewesen. 😅

Aber trotzdem:
Zwei Menschen. Eine Verbindung.
Haltung. Nähe. Gefühl.

Nicht perfekt. Aber ehrlich.

Ich habe nicht einfach „uns“ gezeichnet.
Ich habe eine Situation festgehalten.
Und genau das hat es für mich plötzlich magisch gemacht. ✨

Gegenüberstellung aus Fotovorlage und Urban-Sketching-Zeichnung von Roswitha Böhm und Ron Böhm – links das Foto, rechts die lockere Skizze im Sketchbook
Links die Fotovorlage, rechts meine Urban-Sketching-Skizze von Ron und mir – nicht perfekt, aber mit Haltung, Nähe und Gefühl.

Erkenntnis: Der Knoten hat sich gelöst, weil ich losgelassen habe

Rückblickend war das eigentliche Problem nie,
dass ich keine Menschen zeichnen konnte.

Sondern dass ich dachte, ich müsste sie richtig zeichnen.

Urban Sketching hat mir gezeigt:
Zeichnen entsteht nicht aus Kontrolle, sondern aus Beobachtung.
Nicht aus Regeln, sondern aus Mut.
Nicht aus Perfektion, sondern aus Präsenz.

Der Knoten hat sich nicht gelöst, weil ich etwas Neues gelernt habe.
Sondern weil ich mir erlaubt habe, etwas nicht können zu müssen.

Warum Urban Sketching zu mir passt wie vegane Mayo auf Pommes

Es war vermutlich kein Zufall, dass ich genau hier gelandet bin.
Urban Sketching ist – ohne Übertreibung – ziemlich Rosi-kompatibel:

✨ erlaubt Unperfektheit
✨ feiert den Moment
✨ drückt Gefühl statt Technik aus
✨ lässt Raum für kreatives Chaos

Und ganz ehrlich:
Schon nach dem Workshop dachte ich bei mir:
„Oh oh. Das könnte ausarten.“

Im besten Sinne. 😄

Fazit: Angst adé, Skizzen olé!

Ich bin nicht plötzlich Picasso mit Menschen.
Aber ich habe keine Angst mehr davor.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Urban Sketching hat mir nicht beigebracht,
wie man Menschen „richtig“ zeichnet –
sondern mir endlich erlaubt, es überhaupt zu tun.

Und ganz ehrlich:
Das allein macht schon süchtig.

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