Lohnt sich ein Besuch auf der Veggienale wirklich – oder zahlst du am Ende nur drauf? Wir haben den Selbsttest in Bremen gemacht: Von echten Highlights über mutige Verkostungen bis hin zu Enttäuschungen und einer unfreiwilligen Rucksack-Panne war alles dabei. Wenn du wissen willst, was dich auf der Messe wirklich erwartet, welche Stände lohnen und was du dir sparen kannst, liest du hier unseren ungeschönten Bericht.
Mit pochendem Schädel auf Entdeckungstour: Aller Anfang ist zäh
Unser Tag startete alles andere als ideal: Am Morgen meldete sich bei mir eine fiese Migräne. Mit einer Tablette im Gepäck und der Hoffnung, dass sie schnell anschlägt, machten wir uns trotzdem auf den Weg nach Bremen. Wir wollten uns den Tag schließlich nicht nehmen lassen.
Dank guter Anbindung standen wir um 10:01 Uhr pünktlich zum Einlass vor der Halle. Das Reinkommen klappte reibungslos, und ich holte direkt meine vorab gebuchte Goodie-Bag ab. Der Beutel fühlte sich auf Anhieb ordentlich schwer an, und ich war gespannt, was sich darin wohl verbergen würde. Mehr dazu später.
| Tageskarte | 9 EUR (mit Goodiebag 15 EUR) |
| Tageskarte ermäßigt | 7 EUR |
| Kinder bis 14 Jahre | frei |
| Begleitpersonen von Menschen mit Handicap | frei |

Schärfeschock am Morgen: Wenn Habanero den Puls weckt
Einer der ersten Stopps führte uns an den Stand von Kut Sauce mit extremen Chilisaucen wie Grim Reaper und Dave’s Insanity Sauce. Dort gab es eine Schärfeskala, die von 1 bis 20 reichte – Stufe 20 betitelt mit „Doomsday“.
Vor den Flaschen stand eine Schale mit Crackern zum Probieren. Ron fackelte nicht lange und dippte direkt bei Stufe 10 auf Habanero-Basis rein. Er hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt und das Ganze völlig unbeeindruckt weggesteckt. Ich selbst habe, auf Grund der Migräne, lieber verzichtet.

Annok & Peas: Die Mac-and-Cheese-Offenbarung und das Silvester-Fondue
Gleich nach Casheury wartete direkt die nächste Käse-Überraschung auf uns: der Stand von Annok & Peas. Dort gab es warmes, frisch zubereitetes Nachogold zum Probieren.
Schon beim ersten Bissen waren wir beide hin und weg: Die Konsistenz, die Farbe und der Geschmack waren einfach phänomenal gut – cremig, herzhaft und geschmacklich voll auf den Punkt. Wir waren so begeistert, dass wir uns direkt mehrere Packungen für zu Hause eingepackt haben.
Auch der Austausch mit den Standbetreibern war ein echtes Highlight. Wir konnten uns wunderbar auf Englisch unterhalten und haben uns super verstanden. Dabei kamen wir auf unser traditionelles Silvester-Essen zu sprechen: Wir machen jedes Jahr Käsefondue und suchen dafür immer nach richtig guten veganen Alternativen. Sie gaben uns direkt einen QR-Code für ihr Käsefondue mit – und wir haben nicht lange gefackelt: Das Fondue haben wir gleich bestellt und wir freuen uns jetzt schon riesig darauf, es an Silvester auszuprobieren!

Ein bisschen Spatz muss sein: Plausch beim Kulturverlag Kadmos
Zwischendurch blieben wir am Stand des Kulturverlags Kadmos stehen. Dort gab es unter anderem Kalender und Stoffbeutel zu sehen – das Angebot an sich fand ich ehrlich gesagt nicht übermäßig berauschend, aber die Begegnung war trotzdem nett.
Ich kam mit der Mitarbeiterin am Stand ins Gespräch und wir unterhielten uns über die selbst erdachten Sprüche des Verlags. Zum Abschied schenkte sie mir eine Postkarte mit einem Spatzen-Motiv und dem Spruch: „Ein bisschen Spatz muss sein“. Eine kleine, sympathische Geste für zwischendurch!
Dattel-Magie statt Industriezucker: Süße Überraschung aus Franken
Als Nächstes kamen wir am Stand von Odilia vorbei, einer Manufaktur aus Fürth, die komplett auf raffinierten Zucker verzichtet und stattdessen zu 100 % mit Dattelsüße arbeitet.
Auf dem Tisch standen Schoko-Konfekt und Dosen mit Lebkuchen. Wir durften probieren und der Geschmack hat uns absolut überzeugt: eine angenehme Süße ohne dieses künstliche Gefühl von normalem Zucker. Ron hat sich Dosen mitgenommen, und für meine Schwiegermutter kam ein Lebkuchen als Mitbringsel mit, da sie sich über solche Aufmerksamkeiten immer riesig freut.

Die Käse-Offenbarung: Schwedische Träume aus Cashewkernen
Ein Stand, auf den ich mich besonders gefreut hatte, war Casheury, eine Swedish Vegan Creamery. Hier gibt es fermentierte Käse-Alternativen auf Basis von Bio-Cashewkernen. Die Auswahl war riesig: Sorten wie Ramslök (Bärlauch/Knoblauch), Black Garlic, Kimcheeze und Bruschetta lagen in der Auslage, und oben auf dem Tresen standen Cracker zum Probieren bereit.
Der Herr am Stand sprach Englisch und erklärte uns die Produkte. Als Ron ihm antworten wollte, kam es zu einem lustigen Sprach-Mischmasch aus Englisch und Deutsch, über den wir alle lachen mussten. Geschmacklich war Casheury ein echtes Highlight: Der Käse mit Bärlauch und Knoblauch hatte eine tolle Konsistenz und schmeckte intensiv und handwerklich, überhaupt nicht wie die typischen industriellen Blöcke aus dem Supermarkt.

Von Brottrunk-Grauen und saurem Joghurt: Ehrliche Messe-Flops
Irgendwann stellte ich fest: Es gab an fast jedem Stand etwas zu essen, aber warum hatte eigentlich keiner etwas zu trinken dabei? Da entdeckte ich den Stand von Kanne Brottrunk. Zwei Krüge standen bereit. Als gefragt wurde, wer noch probieren möchte, meldete ich mich direkt.
Statt des Apfelsafts entschied ich mich für den Gemüsesaft – was ich sofort bereut habe. Es war grauenvoll. Ich gab Ron den Rest zum Probieren, und von ihm kam auch nur ein angewidertes „Bäh“. Das war definitiv nicht unseres.
Ähnlich ging es uns leider bei Apostels. Dort gab es pflanzlichen Joghurt, Aioli und Zaziki. Ich testete das Aioli und den Joghurt, auf den man sich noch Agavendicksaft träufeln konnte, weil er mir pur viel zu sauer war. Bei beiden Produkten blieb bei mir ein unangenehmer Nachgeschmack zurück. Als die Dame am Stand fragte, ob wir noch mehr probieren wollen, haben wir nur nett gelächelt, dankend abgewinkt und sind weitergegangen. Es tat uns zwar ein bisschen leid, aber wir mochten es wirklich nicht.
Die Schmalz-Obsession und das Butter-Mysterium
Ganz amüsant war die Begegnung am Stand von Bunge. Ein älterer Herr stellte dort rein pflanzliches Schmalz vor. Auf meine Frage, woraus es denn genau gemacht sei, meinte er schlicht: „Aus pflanzlichen Fetten.“ Tiefergehende Infos gab es zwar nicht, aber dafür redete er sich regelrecht in Begeisterung.
Er schwärmte davon, dass es richtig gut und wie das Original schmecke und man es unbedingt für Bratkartoffeln nehmen müsse. Er fing an, alle möglichen Dinge aufzuzählen, und schien regelrecht besessen von Bratkartoffeln zu sein. Ich warf ein, dass ich sofort an Grünkohl denken musste (ehrlich gesagt auch das Einzige, wo ich jemals Schmalz ranmache). Daraufhin meinte er: „Ja, da brauchst du aber zwei!“ und drückte uns direkt noch eine zweite Probierdose in die Hand. Die Dosen warten nun brav im Kühlschrank auf den Winter.
Er schickte uns dann direkt weiter zu seinen Kolleginnen nebenan mit der veganen Butter. Ron probierte und fand, dass sie wie das Original und gut schmeckt. Ich habe dankend verzichtet, weil ich generell überhaupt keinen Buttergeschmack mag.

Medifood: Warum Zucker eben Zucker bleibt
Bei MadeGood gab es Müsliriegel und Energy Balls. Eine junge Frau schnitt Proben auf und erzählte mit voller Überzeugung, dass alles mit Datteln oder Agavendicksaft gesüßt sei, ganz ohne Zucker, und sich daher auch gut zum Abnehmen eigne.
Ich zog innerlich kurz die Augenbraue hoch und dachte mir: War das etwa eine Anspielung? Ich war kurz davor, ihr zu erklären, dass es Studien gibt, dass Zucker eben Zucker bleibt – egal ob aus der Pflanze, Agavendicksaft oder Honig. Ich habe es mir dann verkniffen. Stattdessen haben wir uns eine Packung Riegel gegönnt: Sondersorte Birthday Cake. Die waren saulecker.

Foodgames: Süßigkeiten zum Frühstück und der Kaffeefall
Sehr gefreut habe ich mich über den Stand der Food Games GmbH aus Rostock, die ich schon aus dem Internet kannte. Ich meinte gleich: „Euch kenne ich doch aus dem Internet! Ihr habt doch so ein Spiel!“ Sie erklärte uns, wie das Spiel funktioniert, bei dem man direkt naschen darf.
Mein absoluter Favorit waren die veganen Kirschmünder. Die saure Variante gab es wegen Getreidezutaten und Allergierisiken nicht offen zum Probieren, aber da sie leicht nach Marzipan schmecken sollten, kam davon eine Tüte mit. Dazu nahmen wir eine Tüte der normalen Kirschmünder für meine Schwiegermutter mit – die sie sich am nächsten Morgen direkt zum Frühstück schmecken ließ!
Am Stand gab es dann noch einen Lacher auf Rons Kosten: Er wollte unbedingt noch etwas probieren und lies sich ein Riesenmaiskorn geben, ohne zu wissen, was es war. In dem Moment sagte die Dame: „Das ist Cappuccino.“ Ich musste sofort lachen, weil Ron gar keinen Kaffee trinkt. Er meinte noch: „Oh! Eigentlich trinke ich keinen Kaffee …“ Er probierte es trotzdem und verzog das Gesicht so extrem, dass die Verkäuferin und ich uns vor Lachen kaum halten konnten. „Essen tut er ihn auch nicht.“

Tempeh-Drama: Vom Würgereiz zur zweiten Chance
Tempeh hatten wir in der Vergangenheit einmal probiert und fanden es überhaupt nicht gut – wahrscheinlich, weil er damals nicht mariniert war. Am Stand gab es marinierten Tempeh zum Kosten, aber auch der sagte uns zunächst nicht zu: Ich schmeckte wieder diesen Nachgeschmack, und Ron fand ihn zu überwürzt.
Später gerieten wir allerdings zufällig in eine Infoveranstaltung von fourTaste auf der Bühne. Wir hörten zu, wie die Referentin über die Vorteile von Tempeh gegenüber Tofu sprach und dass die Zutaten aus Europa kommen. Sie erklärte auch, dass viele Leute solche Produkte kaufen, nicht wissen, wie man sie zubereitet, und sie am Ende wegwerfen. Vantastic hat sich deshalb darauf spezialisiert, marinierte Sachen anzubieten, die man zu Hause einfach nur noch aufschneidet und anbrät – fertig.
Da wir gerne nach Alternativen zu klassischem Soja suchen, hörten wir beide sehr gebannt zu. Auf dem Rückweg stellten wir fest: Vielleicht war die Sorte am Stand einfach nicht unsere. Dank dieses Vortrags ist Ron gar nicht mehr abgeneigt, und wir werden Tempeh definitiv noch einmal eine Chance geben.

Oasia Manufaktur und die Suche nach Matratzen
Wir schauten kurz bei der Oasia Manufaktur vorbei, da wir in nicht allzu ferner Zukunft dringend neue Matratzen und Bettzeug brauchen. Allerdings boten sie dort nur sehr dünne Matratzen an. Da wir aufgrund des Alters und des Komforts definitiv etwas Höheres brauchen, war das leider nichts für uns. Andere Angebote wie vegane Schwangerschaftsberatung, Gewürze, Kinderspielzeug, Ingwer-Shots oder Ökostromanbieter ließen wir links liegen, da das nicht unseres war.
Das größte Highlight: Softeis aus der kleinsten Eisdiele der Welt
Mein persönliches Highlight wartete im Food-Corner: der Stand der Eiszauberei. Sie bezeichnen sich als kleinste Eisdiele der Welt, und das Konzept fanden wir genial. Es gibt ein Grund-Softeis, das immer gleich ist, und dazu suchst du dir Zutaten aus, die frisch untergemixt werden. In unserem Fall waren es zwei Stück.
Ich entschied mich für Wassermelone und Brausepulver. Ich liebe Softeis über alles – und diese Kombination hat einfach nur geil geschmeckt! Ich meinte schon zu Ron, dass wir so eine Maschine kaufen und uns damit vors Buntivhuus stellen sollten, wenn das in Deutschland mit den rechtlichen Hürden nicht so schwierig wäre.
Ron holte sich ebenfalls ein Eis (ich weiß die Sorte leider nicht mehr). Wir setzten uns an die Tische und wollten dann zum Tempeh-Vortrag umziehen. Beim Aufstehen passierte es: Klatsch – Rons Eis landete auf dem Fußboden. Da er sich kein neues holen wollte, habe ich meins mit ihm geteilt. Normalerweise teile ich weder Pizza, Burger noch mein geliebtes Eis mit irgendwem, aber hey: Wo die Liebe hinführt!

Mittags meldete sich nach der Migräne der echte Hunger. An einem Stand gab es Kartoffelsuppe mit Pfifferlingen (wir sind keine Suppenfans und Ron isst keine Pilze), ansonsten kalte Sachen oder Wraps mit viel Soja. Wir entschieden uns deshalb für einen veganen Döner bei Orientalisch Vegan, weil Fleischersatz drauf war (bei uns im Ort bekommen wir meist nur Falafel-Taschen oder Rollos). Geschmacklich war es durchwachsen: Das Fladenbrot war etwas trocken, der Fleischersatz ein bisschen gummiartig und die „Cocktailsoße“ schmeckte eher nach schlichten Dosentomaten. Aber wir sind zumindest satt geworden.

Ron hatte am Stand von Pressgut die ganze Zeit das Kimchi im Auge. Auf meinen Vorschlag hin fragte er nach, ob er ein Glas mitnehmen könne, und kam ganz stolz damit wieder. Während ich alles im Rucksack verstaute, holte er sich noch ein Baklava für den Weg zum Bus.
Zu Hause folgte dann die Bescherung: Das Kimchiglas hatte nicht ganz dichtgehalten. Zwar war das Kimchi noch drin, aber die Flüssigkeit war im Rucksack ausgelaufen. Mittendrin lag meine weiße Schirmmütze, die ich als Sonnenschutz eingesteckt hatte. Das Ergebnis: Die Mütze ist jetzt an der Seite orange gefärbt. Ich wollte sie ohnehin färben – also hey: Mehr Bio geht nicht!

Das ernüchternde Goodie-Bag-Unboxing: Lohnt sich der Aufpreis?
Wieder daheim holte uns meine Schwiegermutter ab und freute sich riesig über die Lebkuchen und Kirschmünder. Zu Hause schlüpfte ich erst einmal in bequeme Klamotten und machte mich an das Unboxing der Goodie-Bag.
Hier war ich ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht. Der Inhalt:
- Ein schwarzer Baumwollbeutel mit dem Aufdruck „Pflanzlich macht happy“
- Ein zweiter, pinker Stoffbeutel der Bauck Mühle („Bio aus Liebe zur Natur“) – also quasi ein Beutel im Beutel
- Die Magazine Green Lifestyle und Atmo, die auf der Messe sowieso gratis zum Mitnehmen auslagen
- Zwei Packungen Linsen Couscous Bowl von der Bauck Mühle zum schnellen Aufgießen
- Ein Greenpeace-Button in Regenbogenfarben und ein Veggienale-Aufkleber
- Das schwere Geheimnis: Ein halber Liter schlichtes Vilsa Naturelle Wasser im Tetra Pak.
Das war leider alles. Dafür hat sich die Tasche für mich definitiv nicht gelohnt.
Dein ultimativer Survival-Guide für die Veggienale
Nach dem Auspacken habe ich mich erst einmal für eine Stunde aufs Sofa gelegt und bin direkt eingeschlafen. Die Messe, das Laufen, der Trubel und die Lautstärke hatten meinem Kopf nach der morgendlichen Migräne doch einiges abverlangt. Danach ging es mir aber schon viel besser.
Würde ich wieder zur Veggienale gehen? Zu 100 % ja. Die Atmosphäre in Bremen war freundlich, nicht zu überlaufen und der Austausch mit den Leuten an den Ständen hat einfach Spaß gemacht.
Wenn du die Messe besuchen willst, nimm diese Learnings mit:
- Großen Rucksack mitnehmen: Ich war leider nicht schlau genug dafür und habe das Gewicht auf dem Rückweg ordentlich gemerkt. Beim nächsten Mal kommt definitiv ein großer Rucksack mit.
- Früh da sein: Um 10:00 Uhr hat man noch genug Ruhe, um sich umzusehen.
- Programmplan direkt prüfen: Ich hatte vor Ort keine zwei Stunden Zeit, um auf spätere Programmpunkte wie Kochshows zu warten. Informiere dich am besten gleich zu Beginn, damit du rechtzeitig bei den Vorträgen bist, die dich interessieren.
- Goodie-Bag sparen: Das Geld kannst du dir sparen und lieber direkt in Produkte an den Ständen investieren.
- Offen bleiben: Manchmal lohnt es sich, bei Vorträgen zuzuhören – sie können die Sicht auf ein Produkt komplett verändern, selbst wenn der erste Probehappen am Stand nicht überzeugt hat.
Warst du schon mal auf der Veggienale oder einer ähnlichen Messe? Welche Produkte haben dich begeistert – und worauf hättest du verzichten können? Schreib es mir gerne in die Kommentare!